„Willkommen im Club“

Die frisch ausgebildeten Schülerlotsen der Realschule Bleckede, gemeinsam mit (v.l.) Ralf Franke, Sozialpädagogin Angela Knüdel, (r.) Schulleiter Rolf Parlow und Andreas Dehn
Bleckede. Es war schon fast wie eine Siegerehrung bei den Olympischen Spielen, als Schulleiter Rolf Parlow den 11 Schülerinnen und Schülern der Realschule Bleckede feierlich das „Konfliktlotsendiplom“ überreichte und ihnen zusätzlich - anstatt einer Medaille - einen Schlüsselbund um den Hals legte, auf dem mit großen Buchstaben „Konfliktlotse/Konfliktlotsin“ geschrieben stand.
Nach 1 1/2 Schuljahren in der Ausbildung haben sie es endlich geschafft und können sich nun voller Stolz „Konfliktlotsen“ nennen.
Angefangen hat alles mit einer AG im Rahmen des Gewaltpräventionsprojektes in der 8. Klasse, bei der sich die Schüler anmelden konnten. Geleitet wird diese bereits seit 3 Jahren von den Lehrern und so genannten „Schulmediatoren“ (Streitschlichtern) Andreas Dehn und Ralf Franke sowie der Sozialpädagogin Angela Knüdel.
Die Gründe der 11 Schülerinnen und Schüler aus den Klassen 9 A - C, in die AG einzutreten, waren ähnlich. Die meisten hatten von älteren Mitschülern und bereits ausgebildeten Schülerlotsen erfahren, dass die AG viel Spaß machen würde. Beispielsweise gab es eine einwöchige Ausbildungsfahrt in die Realschule Winsen-Roydorf in Winsen, der Partnerschule der Bleckeder Realschule.
„Ich finde es außerdem gut, dass man anderen helfen kann.“, erklärte Christoph Götz, der einzige Junge in der Gruppe, seine Motivation, bei der Konfliktlotsen-AG mitzumachen.
Und wie man anderen richtig hilft, das haben Christoph und die Mädels mittlerweile drauf. Im Laufe ihrer Ausbildung haben sie viel über Konflikte und Gefühle gelernt und in einer kleinen theoretischen und praktischen Abschlussprüfung bewiesen, dass sie alle in der Lage sind, mit Streitigkeiten anderer sicher umzugehen und diese - ohne den Einsatz von Gewalt - schlichten können.
Dabei muss es sich aber nicht immer nur um zwei Streithähne handeln, die mit ihren Problemen zu den Konfliktlotsen kommen. Sogar ganze Klassen können verstritten sein oder einzelne Schüler mobben und ausschließen. In solch einem Fall reicht es nicht, nur mit dem betroffenen Schüler zu sprechen, sondern dann sind Klassengespräche ganz wichtig, in denen man gemeinsam nach einer Lösung sucht. Auch das ist Teil der Arbeit eines Konfliktlotsen.
Mit zum Aufgabenbereich gehört außerdem die Betreuung der Fünftklässler, die gerade neu an der Schule sind. Ähnlich wie bei dem „Buddy-Projekt“ der Bleckeder Hauptschule, geht es in erster Linie darum, den Kleinen zur Seite zu stehen und ihnen den Einstieg in den Realschulalltag zu erleichtern. Ihnen wird ein Konfliktlotse als Pate zugewiesen, an den sie sich dann bei Problemen wenden können.
„Das ist eine große Orientierungshilfe“, weiß Rolf Parlow und freute sich deswegen umso mehr, nun die bereits 3. Generation der Streitschlichter mit einem Diplom auszeichnen zu können und sie ganz herzlich im „Club“ willkommen zu heißen.
Für die neuen Konfliktlotsen beginnt nun der „Ernst des Lebens“: Sie sind immer während ihrer Sprechzeiten, in den Pausen, im „Konfliktlotsenraum“ zu finden, und haben für alle Probleme ihrer Mitschüler ein offenes Ohr. –EP-Jugendredaktion/carina-
