„Wie stellst du dir ein komponierendes Ehepaar vor?“
Bleckede. Anlässlich des 100. Todestages von Gustav Mahler widmete der Kultur- und Heimatkreis Bleckede ihm und seiner Ehefrau Alma Mahler, ein Gesprächskonzert. Denn nicht nur Gustav Mahler (1860 bis 1911), der Komponist, Dirigent und Operndirektor, war eine viel beachtete Künstlerpersönlichkeit, sondern auch Alma Mahler (1879 bis 1964), gebürtige Schindler, war Musikerin und Liebhaberin der schönsten Künste. Drei Künstlerinnen gestalteten den Abend im romantischen Saal des Bleckeder Schloss: Die Mezzosopranistin Cornelia Hellbrügge, Elena Kolesnischenko, Pianobegeleitung und Sia Niskios, Lesung. Mit ihren sorgfältig ausgesuchten Musik- und Wortbeiträgen entwarfen sie ein lebendiges Porträt des schillernden Paares und der Zeit.
Gustav Mahler war hochbegabt und ein musikalisches Wunderkind. Mit gerade einmal zwanzig Jahren begann er eine beispiellose musikalische Karriere als Dirigent und Kapellmeister. 1897 wurde er Hofoperndirektor in Wien und reformierte das Musiktheater. Er komponierte acht Sinfonien und eine Fülle von Liedern und Chorwerken. Alma Mahler, Tochter des Malers Emil Jakob Schindler und der Sängerin Anna Sofie Schindler, war eine ausgesprochene Schönheit und bereits mit siebzehn Jahren eine gern gesehene Gesellschaftsdame der Wiener Gesellschaft. Mitten in ihrer ersten ernsthaften Liaison mit ihrem Musiklehrer, dem Komponisten Alexander von Semlinsky, lernte sie im November 1901 bei einer Abendgesellschaft Gustav Mahler kennen, der ihr schon drei Wochen später einen Heiratsantrag machte. Nach einigem Zögern gab sie ihm ihr Ja-Wort, auch gegen den Willen ihrer Familie. Der exzentrische Mahler verlangte viel von seiner jungen Frau. So sollte sie für ihn ihre musikalische Karriere aufgeben. „Wie stellst du dir ein komponierendes Ehepaar vor? Hast du eine Ahnung wie lächerlich und herabziehend so ein eigentümliches Rivalitätsverhältnis werden muss“. Doch nicht nur dies war Gustav Mahlers Sorge. Auch die Rollen sollten „richtig verteilt sein“: Er wollte eine Frau an seiner Seite haben, die ihm „die Kleinigkeiten des Lebens“ abnahm, das Haus besorgte und die Kinder erzog. Die neunzehn Jahre jüngere Frau war zunächst glücklich, litt aber schon bald unter Langeweile und Einsamkeit. Das änderte sich auch nicht mit der Geburt der zweiten Tochter. Auch der empfindsame und anspruchsvolle Künstler fand in Alma nicht die Art von Lebensgefährtin, die er sich an seiner Seite gewünscht hätte. Als Alma Mahler 1910 ein Liebesverhältnis mit dem Architekten Walter Gropius begann, kam es zu einer schweren Ehekrise. Doch sie blieb zunächst bei ihrem Mann. Erst nach dessen Tod im Mai 1911, heiratete sie 1915 Walter Gropius. Die Höhen und die Tiefen dieser dennoch großen Liebe zeichnete die Schauspielerin Sia Niskios anhand von Briefen, Tagebüchern und Biografien nach, ihr engagierter, gut erarbeiteter Vortrag fesselte das Publikum. Die Texte wurden gespiegelt durch die Musik, Lieder aus den Sammlungen „Des Knaben Wunderhorn“, „Kindertotenlieder“ und „Rückertlieder“. Viel Bekanntes war zu hören, wie etwa das Rheinlegendchen - „Bald gras’ ich am Neckar, bald gras’ ich am Rhein…“ oder „Des Antonius von Padua Fischpredigt“, im zweiten Teil des Abends die eher düsteren Lieder wie „Nun will die Sonn so hell aufgehn“ und „Oft denk ich sie sind nur ausgegangen“. Die Mezzosopranistin, die unter anderem Ensemblemitglied der jungen Oper Niedersachsen ist, verstand es, den Liedern die richtige Stimmung zu geben, überraschte mit einem beachtlichen Stimmvolumen und großem Ausdrucksvermögen. Elena Kolesnischenko begleitete ihren Gesang mit großem Einfühlungsvermögen am Klavier. Das Publikum - leider waren nur knapp dreißig Besucher gekommen - schien zufrieden mit dem Gehörten und applaudierte begeistert. Für den Nachhauseweg boten die Musikerinnen „Ich bin der Welt abhandengekommen“ aus dem Zyklus der „Rückertlieder“. -EZ-Redaktion/swr-

