21.01.2010

Weit aus dem Fenster gelehnt

Geehrt: Kreisbrandmeister Torsten Hensel (l.) mit Ernst-Heinrich Meyer (m.) und Jens Rosseburg

Geehrt: Kreisbrandmeister Torsten Hensel (l.) mit Ernst-Heinrich Meyer (m.) und Jens Rosseburg

Lemgrabe. Hoher Besuch - zum ersten Mal seitdem Jens Rosseburg Ortsbrandmeister von Boitze ist, fand auch Kreisbrandmeister Torsten Hensel den Weg zur Generalversammlung in das Lemgraber Gasthaus Böwe. Außer ihm, den Kameradinnen und Kameraden, konnte Rosseburg Dahlenburgs stellvertretenden Samtgemeindebürgermeister und Kreistagsabgeordneten Franz-Josef Kamp, Ullrich Rambusch in seiner Eigenschaft als SG-Feuerschutzausschussvorsitzender, Boitzes Bürgermeister Udo Staacke und Hans-Heinrich Cordes begrüßen. Natürlich waren auch die Vertreter des 3. Feuerwehrzuges der Einladung gefolgt: Zugführer und Ortsbrandmeister Martin Voß von der FF Lemgrabe mit Stellvertreter Andreas Schultz, der Ortsbrandmeister der FF Gienau Markus Brusche mit Stellvertreter Andreas Schlüter sowie der Ortsbrandmeister der FF Seedorf, Rainer Nordbrink mit Stellvertreter Bernd Staacke.

Die 27 Aktiven der Boitzer Wehr wurden 2009 zu vier Einsätzen gerufen. Einmal musste technische Hilfe bei einem Verkehrsunfall geleistet werden, und im August galt es, drei Feuer zu löschen. Sehr gut gelaufen sei der Einsatz unter Atemschutz bei der Molda, ein technischer Defekt sei die Ursache des Scheunenbrandes in Boitze gewesen und in Nahrendorf brannte ein Waldstück, berichtete Rosseburg von etwas ‚weniger Alarm’ als im Vorjahr. Steigern will sich dafür die Wettkampfgruppe, versprach Angelika Wahl, 2009 hatte sie die Pflicht zur Ausrichtung der Funkfahrübung 2010 ‚gewonnen’.

Atemschutzwart Michael Kleckner bedauerte, dass es noch immer nur fünf Geräteträger in der Boitzer Wehr gibt, obwohl - man höre und staune - das Interesse bei den KameradInnen größer sei. „Es gibt nicht genügend Kurse“, monierte Kleckner und sprach einen weiteren Mangel an. „Die FF Boitze hat nur zwei Atemschutzgeräte.“ Was das im Ernstfall bedeuten kann, wurde in diesem Januar bei einem Schwelbrand in Ahndorf deutlich. Für einen Löschangriff in Innenräumen braucht man mindestens zwei Feuerwehrleute unter Atemschutz im Gebäude (falls einem etwas passiert) und zwei außerhalb, die umgehend ablösen können. Mit weniger als vier Atemschutzgeräten kann also prinzipiell gar kein Innenangriff gefahren werden (sind Menschenleben in Gefahr sieht manches etwas anders aus) und so mussten die Boitzer KameradInnen ein paar Minuten auf Verstärkung warten. Im Falle Ahndorf ist das gerade noch einmal gutgegangen. Dort schwelte es schon länger und trotz des ungünstigen Zeitpunkts bei schwierigen Witterungsbedingungen waren 60 Kameraden noch rechtzeitig vor Ort. Ein paar Minuten später hätte ein Großbrand - bestenfalls - Platz für einen neuen Stall geschaffen. „Wenn also im Landkreis noch herrenlose Atemschutzgeräte umherschwirren ...“, warf Kleckner Torsten Hensel aufmunternde Blicke zu.

 

Immer schneller rein...

Der konnte zwar nicht mit „herumliegenden Atemschutzgeräten“ dienen, aber ihren hoffentlich zukünftigen Trägern den Rat geben, sich direkt bei der FTZ auf die Liste setzen zu lassen. Es gebe genug Kurse, die sogar immer wieder mangels Teilnahme verfallen. Ein Grund dafür sei der stärker werdende Konflikt mit der Arbeitswelt. Wenn inzwischen Samstagsarbeit wieder zum Normalfall werde, können die Wochenendkurse eben nicht mehr wahrgenommen werden, so Hensel. Er betonte zugleich, dass Arbeiten unter Atemschutz immer wichtiger werde. „Wir gehen schneller rein und löschen nicht mehr so viel von außen“, beschrieb er die „neue Taktik“ bei der Brandbekämpfung.

Hensel freute sich über die stabile Mitgliederzahl in der eher kleinen Wehr, die auf ein recht ruhiges Jahr 2009 zurückblickte, während das Einsatzgeschehen im Kreis insgesamt anzog (rund 100 Einsätze mehr als im Vorjahr). Gerne vertrat er Samtgemeindebrandmeister Ottmar Möller, denn es galt Ernst-Heinrich Meyer für 40-jährige Feuerwehrzugehörigkeit zu ehren und Jens Rosseburg zum Hauptlöschmeister zu befördern. Rosseburg ernannte Michael Kleckner zum Hauptfeuerwehrmann und Jürgen Wahl zum Ersten Hauptfeuerwehrmann

Darüber hinaus hatte Hensel dem Ortsbrandmeister noch eine Überraschung mitgebracht: die Silberne Ehrennadel des Kreisfeuerwehrverbandes, die er Rosseburg für seinen Einsatz beim Bau des Feuerwehrgerätehauses in Ahndorf verleihen durfte.

 

Gerüchteküche bereits in Betrieb

Alle Abteilungen der FF Boitze haben über die Jahre insgesamt knapp 2.600 Stunden Arbeit in das Gerätehaus Ahndorf investiert, rechnet man die Arbeitszeiten der Mitglieder des Fördervereins hinzu werden daraus fast 3.300 Stunden. Nach der ‚Dankeschön-Party’ der Gemeinde Boitze (EP berichtete) in dem zu 99 Prozent fertiggestelltem „gelungenen Haus“ freut sich Ullrich Rambusch auf die nächste, die Einweihungs-Party mit Schlüsselübergabe. Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude, bislang habe das Rathaus noch nicht einmal einen Termin für eine Feuerschutzausschusssitzung anberaumt, damit der Haushalt für das inzwischen begonnene Jahr besprochen werden kann.

Die arme Samtgemeinde wird mit einem Minus von rund 1,2 Millionen Euro in das Jahr 2010 gehen, schätzt Franz-Josef Kamp und wies auf die damit verbundene Belastung der kommenden Generationen hin. „Aber euch geht’s noch recht gut“, erinnerte er an in Boitze getätigte Investitionen. Die FF Gienau hätte ein richtiges Problem mit ihrem Fuhrpark, ebenso die FF Pommoissel. Vermutlich wird man versuchen, zwei gebrauchte Fahrzeuge zu bekommen, so Kamp, leider bliebe zurzeit wegen der Erkrankung des Samtgemeindebürgermeisters, in dessen Verantwortungsbereich derartige Konzepte gehörten, viel Arbeit liegen, doch auch die Feuerwehr könnte sich klarer äußern.

„Ich lehne mich jetzt weit aus dem Fenster“, kündigte Kamp an, als er auf das Feuerwehrgerätehaus in Ahndorf zu sprechen kam, denn eigentlich sei es eine Boitzer Angelegenheit. „Ein Dorfgemeinschaftshaus für Seedorf ist wünschenswert. Ich habe dort zwar keinen politischen Einfluss, würde aber die Skeptiker in der Gemeinde Boitze bitten, daran konstruktiv mitzutun, schließlich haben auch die Seedorfer in Ahndorf mit angepackt“, bezog Kamp Stellung zu Gerüchten, nach denen es Stimmen im Boitzer Rat geben soll, die das zukünftig ehemalige Seedorfer Gerätehaus nicht einer dortigen Dorfgemeinschaft, sondern der Haushaltskonsolidierung zur Verfügung stellen wollen.

„Danke, dass du gewagt hast, das anzusprechen“, wandte sich Seedorfs Ortsbrandmeister Rainer Nordbrink an den stellvertretenden Samtgemeindebrandmeister und die Versammlung. Denn seine Feuerwehr habe dem Projekt Ahndorf nur mit großen Bauchschmerzen und dem abgegebenen Versprechen zugestimmt, dass das ehemalige Gerätehaus dann der Dorfgemeinschaft zur Verfügung steht. „Ich appelliere an die Entscheidungsträger, ihr Wort zu halten!“

Wer weiß, was wird... Boitzes Bürgermeister Udo Staacke riskierte einen Blick in die fernere Zukunft. Möglicherweise führe eine erneute Bürgerbefragung in Bleckede doch noch zu einer Fusion, „dann ist hier vieles anders. Und auch wenn das heute noch nicht viele sehen, das Haus in Ahndorf wird sicher einmal das Zentrum von Boitze.“

Als hätte er ein Knistern in der Luft geahnt - Hans-Heinrich Cordes (Sparkasse) brachte sicherheitshalber einen Rauchmelder mit. Im vergangenen Jahr hatte er die ‚Fahrradständerherausforderung’ des Vertreters der Volksbank angenommen und warf nun einen „positiven Blick in den Rückspiegel“. An die Dienstleistung, die die Freiwilligen Feuerwehren erbringen, nämlich einfach nur zu helfen, reiche keiner heran, lenkte er den Blick auf das Wesentliche.

„Das tut gut und stärkt“, dankte Jens Rosseburg und leitete damit schon einmal - ganz langsam - zum gemeinsamen Essen nach der Jahreshauptversammlung des Fördervereins über. Traditionell gab es Grünkohl mit Bregenwurst. -EP-Redaktion/sn-

Nachrichten aus dem Landkreis Lüneburg und der Elbtalaue