22.12.2009

Weihnachten in Argentinien: Asado, Sekt und Böller

Überdimensionale Weihnachtsdekoration auf einer Kreuzung in Córdoba, Argentinien.

Überdimensionale Weihnachtsdekoration auf einer Kreuzung in Córdoba, Argentinien.

Eine Woche vor Weihnachten in Buenos Aires, der Hauptstadt Argentiniens. Das Thermometer zeigt bereits am Vormittag fast dreißig Grad im Schatten an, trotzdem haben auch die Argentinier offensichtlich großes Vergnügen am vorweihnachtlichen Shoppen. Auf der „Avenida Cabildo“, einer der großen Einkaufsstraßen der 15-Millionenstadt sind viele Menschen unterwegs. In einem Spezialgeschäft für Weihnachtsbäume und dem dazu gehörenden Schmuck herrscht Hochbetrieb. Die Auswahl an Bäumen ist groß und viele von ihnen sind mit Kunstschnee überpudert (dabei soll es Leute im Norden Argentiniens geben, die gar nicht wissen, was das weiße Zeug auf dem Baum eigentlich darstellt). Natürlich sind die Bäume aus Plastik, echte Tannenbäume, wie man sie in Deutschland kennt, wird man in der ganzen Stadt vergeblich suchen. Beim Baumschmuck, wie Lametta, bunten Kugeln und Schleifen, wird nicht gespart. Die Menschen scheinen hier dem Motto „lieber ein bisschen mehr“ zu folgen. Der 24. Dezember ist ein Tag für die Familie. Die Argentinier treffen sich an diesem Festtag mit möglichst vielen Angehörigen ihrer oftmals großen Familien. Dann wird zusammen gegessen, meistens gibt es „Asado“, das sind Rindfleischspezialitäten vom Grill, oder auch Hühnchen mit Salat. Schlag Mitternacht wünschen sich alle „Feliz navidad“ – (dt.: frohe Weihnachten) und stoßen darauf mit „Sidra“ (Apfelwein) oder Sekt an. Alle gehen hinaus auf die Straßen, beglückwünschen ihre Nachbarn mit vielen Küssen, werfen Böller und schicken ein leuchtendes Feuerwerk in den Himmel. Das Ganze erinnert eher an eine deutsche Silvesternacht als an ein Weihnachtsfest. Nach diesem Spektakel - so gegen drei Uhr morgens - gehen die Argentinier gerne noch zum Tanzen aus und es scheint durchaus üblich zu sein, dass Eltern und Jugendliche in dieser Nacht die gleiche Diskothek aufsuchen. Übrigens nach Mitternacht ist auch die Zeit der Bescherung. Häufig bekommen allerdings nur die Kinder Geschenke, denn gerade in Großfamilien wäre es finanziell überhaupt nicht möglich, dass jeder jeden beschenkt. Am 1.Weihnachtstag treffen sich die Argentinier erneut mit Verwandten und Freunden, um miteinander zu essen und zu feiern. Bei dieser Gelegenheit gibt es eine andere Spezialität des Landes, den „Pan Dulce“, ein Weihnachtskuchen mit Nüssen, kandierten Früchten und Rosinen. Das Wichtigste für die Argentinier ist und bleibt das Essen, vor allem das „Asado“ (Grillen) zählt zu ihren liebsten Freizeitbeschäftigungen, gleich nach dem Mate-Trinken.

Der eigentliche Sinn des Weihnachtsfestes, die Geburt Christi, scheint in dem katholisch geprägten Land aber offenbar auch noch eine Rolle zu spielen. In den Straßen der Städte sind immer wieder liebevoll gestaltete Krippen anzutreffen. Manchmal sind es komplette Landschaften mit der Heiligen Familie, den Hirten und den Heiligen drei Königen und meistens sind es die Kinder, die staunend davor stehen bleiben. Auch der Weihnachtsgottesdienst gehört bei vielen Familien noch zum selbstverständlichen Ritual (ob in der Heiligen Nacht allerdings so viele Menschen den Gottesdienst besuchen, wie es in Deutschland der Fall ist, war nicht in Erfahrung zu bringen). Kurzum: Weihnachten in Argentinien ist nicht nur wegen der Temperaturen ganz anders. Es ist fröhlicher und lauter und weit entfernt von der eher stillen Besinnlichkeit des deutschen Weihnachtsfestes.

Sabine Wölk-Rötzer 

Nachrichten aus dem Landkreis Lüneburg und der Elbtalaue