15.12.2009

Vorstoß durch historische Kanäle

Während in Dahlenburg über die Bildung einer Einheitsgemeinde gestritten wird, sammeln die Damen der Gruppe ‚Pro Fusion’ bei niedrigen Temperaturen in der Bleckeder Innenstadt Unterschriften für eine erneute Bürgerbefragung zum Thema Fusion. V.l.:Helga Dreyer, Sylvia Rademacher, Angela Sohst, Annette Wöbke und Helga Beuse.

Während in Dahlenburg über die Bildung einer Einheitsgemeinde gestritten wird, sammeln die Damen der Gruppe ‚Pro Fusion’ bei niedrigen Temperaturen in der Bleckeder Innenstadt Unterschriften für eine erneute Bürgerbefragung zum Thema Fusion. V.l.:Helga Dreyer, Sylvia Rademacher, Angela Sohst, Annette Wöbke und Helga Beuse.

Dahlenburg. Ein bisschen verloren mögen sich Publikum und Ratsleute am Donnerstag in Adams großem Saal vorgekommen sein. Deutlich gelichtet waren die Reihen der CDU-Opposition, entschuldigt hatten sich Uwe Schulze, Arnfried Pischke, und Dietmar Wittig. Die Mehrheitsgruppe musste auf Viktor Trautmann verzichten und allen fehlte die Verwaltungsspitze. SG-Bürgermeister Joachim Dassinger hatte sich krank gemeldet, auch seine Vertreterin konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen und das treue Publikum fand an drei Tischen genügend Platz. So begrüßte der Ratsvorsitzende Helmut Kause das trotzdem beschlussfähige Gremium und „den harten Kern“ der politisch interessierten Zuschauer. Sie erlebten ungewohnte, wenn auch nicht ganz überzeugende Harmonie bei den Abstimmungen, zumal es einige - auch nicht unbedingt strittige - Zukunftsthemen nicht auf die Tagesordnung geschafft hatten.

Mehrheitsgruppensprecher Franz-Josef Kamp (SPD) kritisierte, dass die ‚Einheitsgemeinde Dahlenburg’ nicht auf der Agenda stand, obwohl der Antrag rechtzeitig beim zuständigen Samtgemeindebürgermeister eingegangen war (EP berichtete). Auf der Tagesordnung hatte vorerst Überholtes noch Bestand: Kamp beantragte, den Punkt ‚Namensgebung der fusionierten Gemeinde’ wegen Unsinnigkeit abzusetzen – einstimmig.

 

Epochale Verbindungen im Untergrund

Ein Geheimnis braucht nicht daraus gemacht zu werden: Kämmerer Klaus-Dieter Paddags möchte Ende August 2010 in den Ruhestand gehen. Der Rat entsprach seinem Begehren - einstimmig. Zuvor unterrichtete er das Gremium jedoch über eine Kreditaufnahme in Höhe von 1 Million Euro, die Mittel werden für die Druckrohrleitung (600.000 Euro) zwischen Nahrendorf und Dahlenburg und das Kanalnetz in Nahrendorf benötigt.

Über einen „in gewisser Weise epochalen, na ja, historischen“ Durchbruch freute sich der Ratsvorsitzende Helmut Kause. Seit (fast oder mindestens) 10 Jahren arbeitet die Samtgemeinde an der Fusion ihrer Abwassernetze. Nahrendorf hat noch eine eigene Anlage, so mussten auch die Gebühren getrennt berechnet werden und die lagen für die Nahrendorfer immer höher. Also beschloss man eine Druckrohrleitung von dort nach Dahlenburg zu legen, damit das Nahrendorfer Abwasser in das Dahlenburger System fließen kann (EP berichtete) - eine Anlage, ein Preis, Gerechtigkeit für Nahrendorf hieß das Ziel, das durch eine geringfügige Erhöhung des Kubikmeterpreises für die Dahlenburger und eine deutlichen Reduktion für die Nahrendorfer erreicht werden sollte.

 

Mehr für alle

Die technische Abnahme der ‚langen Leitung’ mit allem, was dazu gehört, fand am vergangenen Mittwoch statt. „Sie funktioniert im Großen und Ganzen, nun muss sie feinjustiert, verdrahtet und verkleidet werden“, erklärte Glüh den Stand der Dinge, so dass der Termin 31.12.09 gehalten werden kann. Rund 225.000 Kubikmeter Abwasser, davon etwa 200.000 aus Dahlenburg, soll die „nur noch eine“ Abwasseranlage schlucken. „Kleine Worte mit großer Wirkung“, bemerkte Glüh. Denn neben der notwendigen Anpassung der betroffenen Satzungen – sie erfolgten einstimmig – musste auch die Gebührenkalkulation 2010 verabschiedet werden. Rund 838.000 Euro Kosten alles in allem werde die eine Anlage im kommenden Jahr verschlingen, rechnete Kämmerer Paddags vor, daraus ergebe sich ein Kubikmeterpreis von 3,72 Euro. Die Erhöhung für die Dahlenburger (bisher 3,43 Euro) falle mit 29 Cent etwas üppiger aus als erwartet und aus einer Absenkung für die Nahrendorfer würden 21 Cent mehr (Vorjahr 3,51 Euro).

Grund für dieses nicht ganz befriedigende Resultat seien die maroden Dahlenburger Kanäle, wollte Kamp, einer möglichen „Legendenbildung vorbeugen“. Eine Kameraüberprüfung hatte insbesondere in der Dahlenburger Bahnhofstraße technische Abgründe aufgezeigt und die Kosten für die Kanalisation und ihre Sanierung muss die Gemeinde zu 100 Prozent tragen. Diese Preiserhöhung gehe also auf die Dahlenburger Kappe, räumte Kamp ein und rechnet auch zukünftig ganz allgemein eher mit steigenden Kosten. Die würden aber auf dem Gebiet der Samtgemeinde Dahlenburg mit einer dann modernen Kanalisation moderater ausfallen. „Langfristig wird’s günstiger“, so Kamp und bedankte sich bei Nahrendorfs Bürgermeister Uwe Meyer für die Zusammenarbeit.

Das ‚Projekt Druckrohrleitung’ sieht nicht jeder so unumstritten „blumig“, daran erinnerte Henning Gerstenkorn (CDU) mit seiner Bemerkung, dass die Nahrendorfer Anlage noch nicht einmal abgeschrieben gewesen sei. Er enthielt sich als einziger, alle anderen Ratsmitglieder stimmten der neuen Gebührensatzung zu.

 

Rohr zur Einheitsgemeinde

„Mit der einheitlichen Abwasseranlage haben wir doch schon den ersten Schritt zur Einheitsgemeinde getan!“, antwortete Franz-Josef Kamp mit einer Prise Humor auf deutliche Kritik von Jürgen Schorfheide (CDU) über die „Art und Weise“ des Vorstoßes der Mehrheitsgruppe in Richtung Einheitsgemeinde. Das eigentlich bewegende Thema verschaffte sich unter ‚Anfragen und Anregungen’ doch ein wenig Gehör. Ulrich Schulz (CDU) erläuterte die Verärgerung bei Gemeindebürgermeistern, denen die „Nackenhaare hoch stehen“, weil mit ihnen nichts abgesprochen gewesen sei. Dabei gibt es in der Sache ‚Einheitsgemeinde Dahlenburg’ offenbar kaum Differenzen. „Wir haben gesagt, wir wollen das angehen“, bestätigte Schulz, „es ginge nur um das ‚Wie’.“

Über diesen ‚Plan B’, falls Bleckede der Fusion nicht zustimme, sei interfraktionell mehrfach gesprochen worden, wies Kamp beschriebene Überraschungseffekte zurück. Es sei außerdem unlogisch, mit fliegenden Fahnen auf eine ‚großen Fusion’ zur Einheitsgemeinde hin zu zustürmen und eine ‚kleine Fusion’ zur Einheitsgemeinde kategorisch abzulehnen.

Seit Wochen liege sein Antrag auf eine Bürgermeisterrunde, bei der man das Thema besprechen wolle, offenbar unbearbeitet beim SG-Bürgermeister. „Ich bin doch auch nur Ratsherr“, so Kamp, „und es ist Aufgabe des Samtgemeindebürgermeisters, diese Runde einzuberufen.“

Dass dieser offenbar überfordert ist, ist kein Geheimnis mehr, nachdem er selbst das angezeigt hatte. Dahlems Bürgermeister Ralf Böttcher (aB) trieb es die Sorgenfalten auf die Stirn. Auch wenn die Ratssitzung ohne den SG-Bürgermeister ganz gut gelaufen sei, drängte er darauf, Dahlenburgs Personalsituation offensiver anzugehen und sich bald wenigstens um einen in moderner Haushaltsführung (Doppik) erfahrenen Beamten zu kümmern. –EP-Redaktion/sn-

Nachrichten aus dem Landkreis Lüneburg und der Elbtalaue