Von Tigern und humpelnden Hunden

Begrüßten gemeinsam mit ihren Gästen das Jahr des Tigers: Die Vorstandsmitglieder der Taoist Tai Chi Gesellschaft Deutschland und der Zweigstelle Barskamp (hinten, v.l.): Tobias Witte, Inge Koop, Birgit Kempe, Angela Redel, Kerstin Gummelt und Steffi Breiholz.
Barskamp. Eigentlich sollte der wichtigste chinesische Feiertag, das Neujahrsfest, erst eine Woche später, am 14. Februar, beginnen. Dennoch ließen es sich die Mitglieder der Taoist Tai Chi Gesellschaft Deutschland nicht nehmen, schon vorher, am 6. Februar, ihr eigenes kleines Neujahrsfest ganz nach dem Vorbild der Menschen im ‚Reich der Mitte’ zu veranstalten.
Kerstin Gummelt, 1. Vorsitzende der Taoist Tai Chi Gesellschaft Deutschland (TTCGD), hieß dazu alle im geschmückten Saal des Zentrums willkommen, die es trotz der widrigen Wetterverhältnisse nach Barskamp geschafft hatten. Auch Steffi Breiholz, die bei der Jahreshauptversammlung am Abend zuvor zur neuen 1. Vorsitzenden im Zweig Barskamp gewählt wurde, und Inge Koop, Kassiererin und Mitglied im Vorstand des TTCGD, begrüßten alle Gäste recht herzlich und versprachen für den Abend ein buntes Programm mit einem köstlichen Sechs-Gänge-Menü. Auf der Speisekarte standen unter anderem klassische chinesische Gerichte, wie süß-saures Schweinefleisch, aber auch weniger bekannte, etwa ‚Bok Choi mit Shiitakepilzen’.
Als kleine Herausforderung nebenbei galt es, einige Tischregeln zu beachten: Der oder die Älteste hatte das Recht, sein Gericht zuerst zu erhalten und auch als erstes zu essen, der Jüngste musste wiederum servieren und natürlich wurde mit Stäbchen gegessen – wobei die Ungeduldigen unter den Gästen auch eine Gabel bekommen konnten. Positiver Nebeneffekt: „Man kann bei dieser Gelegenheit seine Tischnachbarn gleich besser kennen lernen“, so Gummelt mit einem Augenzwinkern.
Für die Pausen zwischen den Mahlzeiten, die vom Vorstand selbst und einigen Mitgliedern in der hauseigenen Küche zubereitet wurden, hatte man ein kleines Unterhaltungsprogramm vorbereitet. So berichtete unter anderem Birgit Kempe, Instruktorin der Anfängergruppe, von den Vorgängen in China beim Neujahrsfest, wenn es bei den Essensvorbereitungen drunter und drüber geht, das Gemüse schon mal auf dem Kopf des Kochhelfers landet und alles mit roten Laternen geschmückt wird. Vor allem einige Rituale der Chinesen, um sich und ihrer Familie das Glück im neuen Jahr zu sichern, wirkten sehr befremdlich auf einige Gäste. Aber wer würde nicht Mandarinenstücke in die Ecken des Hauses spucken, wenn einem dafür Erfolg und Wohlstand versprochen würde?
Eine alte Tradition des Neujahrsfestes ist auch das Geschichtenerzählen. Deswegen hatten einige Mitglieder kleine chinesische Kurzgeschichten mitgebracht, die sie der gespannt lauschenden Zuhörerschaft vortrugen. Eine handelte von einem Jungen, der unbedingt den humpelnden Welpen eines Händlers haben wollte. Als dieser ihm den Kauf ausreden wollte, da seiner Meinung nach das Tier nicht für ein kleines Kind geeignet wäre, bewies der Junge, dass er aufgrund seiner eigenen Behinderung - er hatte ein Holzbein - durchaus mit dem Hund zusammenpasste und viel Verständnis für ihn aufbringen könnte.
Am schönsten sind bekanntlich aber noch immer die Geschichten, die das Leben schreibt, und so erzählten einige Mitglieder von ihren Beweggründen Tai Chi zu machen und wie sich seitdem ihr Leben verändert habe. Herzleiden, Gelenkprobleme, aber auch psychische Erkrankungen hätten sich deutlich verbessert oder gehörten nun vollkommen der Vergangenheit an. Selbst ein „80 Jahre junges Mitglied“ berichtete begeistert von ihren Erfahrungen und bedankte sich bei allen ehrenamtlich arbeitenden Instruktoren, die den Kursteilnehmern immer freundschaftlich zur Seite stehen würden. Für alle Unentschlossenen hatte sie nur eins zu sagen: „Macht mit Kinder, es ist toll!“.
Weiterer Höhepunkt des Abends war ein Rätsel, das mit einer Verlosung verbunden war. Schnell war an allen Tischen das Lösungswort ‚Tiger’ gefunden, denn dieser löst 2010 nach dem chinesischen Kalender, das Jahr des Büffels ab. Zu gewinnen gab es unter anderem ein komplettes, chinesisches Teeservice sowie einen Schnupper- und Intensivkurs beim Taoist Tai Chi.
Wie an Silvester in Deutschland gehört auch zum Neujahrsfest in China ein ordentliches Feuerwerk. Das durfte natürlich in Barskamp nicht fehlen und so versammelten sich am Ende der Veranstaltung alle draußen vor dem Zentrum, um den von Raketen bunt erleuchteten Himmel zu bestaunen.
Damit endete ein beschaulicher Abend, der für viele Mitglieder, deren Jahr noch nicht so begonnen hat, wie sie es sich vielleicht gewünscht haben, bestimmt eine gute Gelegenheit war, um für sich noch einmal einen Neuanfang zu starten und dabei Teil einer großen Tradition sein zu können. –EP-Redaktion/cb-
