03.12.2009

Vom Bader und Scharfrichter zum studierten Mediziner

Organisatoren und Doktoren und Alchimisten: Jörg Sohst, Jens Böther, Dr. Gustav Reimers, Eberhard Naegeli und Heinrich Tillmann

Organisatoren und Doktoren und Alchimisten: Jörg Sohst, Jens Böther, Dr. Gustav Reimers, Eberhard Naegeli und Heinrich Tillmann

Bleckede. Mit einem ausführlichen Rückblick auf die Aktivitäten zum 800. Geburtstag der Stadt Bleckede begrüßte Bürgermeister Jens Böther wieder über 100 Gäste zu einem Vortrag über die Stadtgeschichte. Er betonte die positive Wirkung über Bleckede hinaus, denn die Veranstaltungen hätten auch Menschen aus anderen Regionen neugierig gemacht und nach Bleckede gelockt. Nicht ganz unbeteiligt sei die Presse mit ihrer umfangreichen und ausführliche Berichterstattung gewesen. Eine Reihe von Veranstaltungen hätten sich aus dem insgesamt anspruchsvollen Programm herausgehoben, so sei das Treffen ehemaliger Bleckeder sehr gut angenommen worden, das Elbe-Musical von und mit Florian Fiechtner habe die Menschen begeistert und der große Festumzug alle Ortsteile und Einrichtungen vereint. Böther stellte aber auch fest, dass sich die Arbeit von über 200 Ehrenamtlichen - plus 120 Musical-Beteiligte - mehr als gelohnt habe. Er dankte allen, die sich mit Zeit, Geld und Ideen engagiert haben und betonte, dass es ohne dieses Engagement nicht möglich gewesen wäre, ein Jubiläumsjahr so durchgehend zu feiern.

Den letzten Fachbeitrag zur Stadtgeschichte - die Entwicklung des Gesundheitswesens - teilten sich der Arzt Dr. Gustav Reimers und der Apotheker Eberhard Naegeli, beide sind persönlich und durch ihre Vorfahren generationenübergreifend an dieser Entwicklung beteiligt gewesen. Bereits der Großvater und der Vater von Dr. Reimers waren Ärzte in Bleckede und haben die Medizingeschichte der Stadt über 100 Jahre mit gestaltet. 1899 begründete der Großvater die Arzt-Dynastie noch mit den Mitteln, die damals bekannt und anerkannt waren. Manche dieser Methoden werden heute wiederentdeckt, wie das ‚Zur-Ader-lassen’ oder das ‚Schröpfen’. Die Fortbewegungsmöglichkeiten waren aus heutiger Sicht genauso ‚schlicht’ wie die Verkehrswege. Per Motorrad, Kutsche oder Fahrrad besuchte ‚de Doktor’ seine Patienten und er musste im Grunde das gesamte Wissen aller Fachrichtungen in sich vereinigen, Geburtshelfer, Seelsorger und vieles mehr sein. Besonders schwer war die Zeit nach dem 2. Weltkrieg, als sogar aus Hamburg Patienten mit schweren Brandverletzungen nach Bleckede gebracht wurden. Großvater Reimers hatte auch Patienten im Osten, jetzt hat Dr. Runge eine Niederlassung in Neuhaus.

Das ärztliche Wissen muss aber durch die ‚Alchimisten’ ergänzt werden. Bereits 1241 erließ Friedrich II seine Medizinalordnung und schrieb darin fest, dass die Berufe Arzt und Apotheker streng zu trennen seien, kein Arzt dürfe eine Apotheke betreiben oder daran beteiligt sein. Glückliches Bleckede, das schon lange auch Apotheker beherbergt - der gleiche Zeitraum konnte so auch aus pharmazeutischer Perspektive betrachtet werden. Die ‚Alte Apotheke’ in Bleckede besteht seit 275 Jahren und ist damit das älteste Unternehmen vor Ort. Im Laufe seiner abwechslungsreichen Geschichte hatte das Haus auch unterschiedliche Genehmigungen, es durfte mehr als nur Medikamente verkaufen, so gewissermaßen auch ‚Wellness-Produkte’ wie Gewürzkonfitüren, allerhand Liqueure oder Weine und Branntweine ausschenken. Der Apotheker war von jeher ein angesehener Bürger und gehörte dem Rat der Stadt und vielen Vereinen an. In den immer wieder umgebauten Räumen, in denen es noch heute den alten eisernen Mörser gibt, wurden getrocknete Pflanzenteile zu Pulver zerrieben, um sie zu Arzneien zu verarbeiten. In der gleichen Zeit, in der sich die Medizin rasant weiterentwickelte, wurde auch das Wissen und die Möglichkeiten der Heilmittel immer umfangreicher. Vom früheren ‚Spitalwesen’ bis zu den heutigen High-tech-Kliniken war es ein weiter Weg, der immer wieder von grandiosen Erfolgen, aber auch von furchtbaren Rückschlägen betroffen war. –EP-Redaktion/ez

Nachrichten aus dem Landkreis Lüneburg und der Elbtalaue