11.03.2010

SV Karze will sich neu aufstellen

25 Jahre im SV Karze: Thorsten Schulze, Christoph Meyer und Heinrich Sevecke (v.l.n.r.)

25 Jahre im SV Karze: Thorsten Schulze, Christoph Meyer und Heinrich Sevecke (v.l.n.r.)

Karze. Es kommt nicht so oft vor, dass ein reiner Fußballverein von einer Frau geleitet wird. Der SV Karze scheint es mit der Gleichberechtigung und dem Motto ‚Frauen an die Macht‘, ernst zu nehmen. Souverän und im Fußballmetier ‚sattelfest‘ leitete Daniela Schöning die von etwa 40 Männern dominierte Jahreshauptversammlung am Freitagabend im Karzer Sportheim. „Eigentlich müsste der SV Karze in FC Karze umbenannt werden“, merkte die 1. Vorsitzende in ihrem Jahresbericht an. „Aus einem Sportverein mit mehreren Abteilungen ist im Laufe der Jahre ein ‚Club’ geworden, in dem nur noch Fußball gespielt wird und der durch diese Einseitigkeit und durch fehlenden Nachwuchs im Fußballbereich in seiner Existenz langfristig gefährdet ist“, gab Daniela Schöning zu Bedenken.

 

Durch mehr Sparten auch mehr Mitglieder

„Daher ist es erforderlich, Überlegungen anzustellen, wie der SV Karze langfristig als Sportverein in der Elbmarsch weiterhin bestehen kann“, führte die 1. Vorsitzende weiter aus. Zunächst zeigte sich Daniela Schöning erfreut über die Mitgliederentwicklung, die in den letzten Jahren langsam, aber kontinuierlich angestiegen ist, inzwischen gehören 153 Mitglieder dem Verein an. „Aber gerade weil wir eine positive Mitgliederentwicklung haben und die Aktivitäten des Vereins sich ausschließlich im Herrenfußball und mit einem zaghaften Neubeginn im Jugendbereich abspielen, müssen wir unseren Mitgliedern und auch den Bürgern in den Elbdörfern mehr sportliche Angebote unterbreiten“, appellierte Daniela Schöning an die Versammlung. „Dadurch werden wir auch für neue Mitglieder interessanter“, bekräftigte sie. Der SV Karze hat die einmalige Gelegenheit, im Rahmen des Programms ‚Dorferneuerung‘ die Sportanlage und das Vereinsheim zu modernisieren, umzugestalten, zu erneuern und einer multifunktionellen Nutzung als Sportheim und Dorfgemeinschaftshaus zuzuführen.

 

Einmalige Chance, Nutzungskonzept erforderlich

„Für die Umgestaltung muss der Verein ein Nutzungskonzept und einen Finanzierungsplan vorlegen“, sagte Daniela Schöning und kündigte dazu weitere Ausführungen des 2. Vorsitzenden Christoph Soetebeer an. Mit der Feststellung, dass in der Region Dorfgemeinschaftshäuser fehlten, es kaum noch Gaststätten gebe und der Frage, was aus dem SV Karze werde, leitete Soetebeer die Vorstellung eines möglichen neuen Nutzungskonzeptes ein. „Am Sportheim sind ohnehin erhebliche Sanierungsarbeiten am Dach, im Sanitär- und Abwasserbereich und in der Küche erforderlich“, stellte er fest und regte an, die Chancen der Dorerneuerung zu nutzen. Soetebeers vorläufiger Entwurf zur Erweiterung und Umgestaltung des Gebäudes als Sportheim und Dorfgemeinschaftshaus sieht insbesondere einen Anbau mit etwa 66 Quadratmetern Nutzfläche vor, neue Umkleidekabinen und weitere Verbesserungsmaßnahmen. Nach einer ersten Kostenschätzung, die allerdings noch von Unternehmerpreisen ohne Eigenbeteiligung und ohne Einsparpotential durch den Verein ausgeht, sind rund 200.000 Euro zu veranschlagen. Nach Einschätzung von Soetebeer kann von realen Kosten in Höhe von etwa 160.000 Euro ausgegangen werden. Durch Eigenleistung des Vereins und vor allem durch Zuschüsse aus der Dorferneuerung, Strukturfördermittel des Landkreises und einen Zuschuss des Kreissportbundes wird der Verein in die Lage versetzt, ein solches Vorhaben zu verwirklichen.

„Etwa 120.000 Euro werden als förderfähig anerkannt, so dass allein aus Dorferneuerungsmitteln 75 Prozent dieser Summe, also rund 91.000 Euro, zu erwarten sind. Letztlich wird der Verein etwa 30.000 Euro Eigenmittel aufbringen müssen“, stellte Christoph Soetebeer fest. „Wir haben jetzt eine einmalige Chance, für die Zukunft des Vereins, für die Menschen in der Elbmarsch und für den Bestand der Dorfgemeinschaften in den Elbdörfern etwas zu tun. Wir sollten diese Chance jetzt nutzen“, appellierte Soetebeer an die Versammlung und bat um Zustimmung, das Vorhaben vom Verein weiter zu verfolgen und zu realisieren.

 

Fußball allein reicht nicht, Verein muss sich ‚breiter‘ aufstellen

Auch Fußballobmann Andreas Hellmig machte deutlich, dass sich der Verein in sportlicher Hinsicht ‚breiter‘ aufstellen und neue Spartenangebote machen müsse. „Nur Fußball allein reicht für den Fortbestand des Vereins auf Dauer nicht aus“, sagte Hellmig. Er warb mit Leidenschaft für die Umgestaltung des Sportheimes und stellte in Aussicht, einen Fragebogen für die Elbdörfer zu entwickeln und damit den Bedarf der Menschen in der Region zu erfragen.

Die Umgestaltung und die Möglichkeit der Mehrfachnutzung des künftigen Sport- und Dorfgemeinschaftshauses auch für private Veranstaltungen ist nach Auffassung von Andreas Hellmig eine Investition in die Zukunft. Nach einer kurzen Diskussion haben sich bei 2 Enthaltungen alle Anwesenden dafür ausgesprochen, die Umgestaltung des Sportheims, wie vom Vorstand vorgeschlagen, weiter zu verfolgen.

 

Die Stadt sagt Unterstützung zu und macht Mut

Der Vertreter der Stadt Bleckede, Holger Grinda, machte dem Verein Mut, die entsprechenden Anträge für die Umgestaltung des Sportheimes zu stellen, und sagte die Unterstützung der Stadt Bleckede in der Angelegenheit zu. Die Stadt Bleckede als Eigentümerin des Grundstücks sei nach Aussage von Holger Grinde daran interessiert, dass der Verein durch diese Maßnahme die Dorgemeinschaft in der Elbmarsch fördere und die Zukunft des Vereins sichere. Bleckede werde nach seiner Überzeugung auch weiterhin dem SV Karze das Anwesen zur unentgeltlichen Nutzung auf unbestimmte Zeit überlassen.

 

Vereinstreue Mitglieder geehrt

Für 50-jährige Mitgliedschaft im SV Karze wurden Otto Karde und Wilhelm Ortmann mit einer Urkunde und einem Glaspokal mit Gravur von der 1. Vorsitzenden Daniela Schöning geehrt. Im Anschluss zeichnete sie Thorsten Schulze, Christoph Meyer und Heinrich Sevecke für 25-jährige Vereinszugehörigkeit mit einer Urkunde und einen Glaskrug mit Gravur aus. In Abwesenheit wurden für 40 Jahre Treue zum SV Karze Harald Meyer und Thomas Berg sowie für 25 Jahre Axel Möller, Jörg Spiekermann, Stephan Ahrens, Stefan Roselandt, Thomas Simon, Clemens Rick und Werner Komiss geehrt. -EP-Redaktion/jw-

Nachrichten aus dem Landkreis Lüneburg und der Elbtalaue