Schrubberjule und Killerlady

Friederike Mundt (links, als Madame Iris) und Ulla Krug (als Marie Bornemann) beim Premieren-Schlussapplaus im Theaterstall am vergangenen Wochenende
Brackede. Zwei völlig unterschiedliche Typen von Frauen, zwei Einakter zweier Autoren, verband Undine Andersonn geschickt mit ihrer Regie am vergangenen Wochenende bei der Premiere von ‚Frauen Solo’ im Theaterstall.
In der Wohnung der sechzigjährigen Putzfrau Marie Bornemann (‚Langusten’ von Fred Denger, gespielt von Ulla Krug) ist der Tisch gedeckt für die bevorstehende Geburtstagsfeier. Wahrsagerin Madame Iris (‚Allein zu Haus’ von Dino Buzzati, mit Friederike Mundt) setzt sich an den nach der Pause quer gestellten Tisch, um einem unsichtbaren Fremden die Karten zu lesen. Allein die Einsamkeit ist beiden Frauen gleich. Wo Marie unruhig zwischen Uhr und Herrgottswinkel hin und her läuft und sich wahlweise mit Jesus oder mit dem abgelegten Teddy ihres abwesenden Sohnes unterhält, betüddelt Madame Iris ihre Katze Plato und die Eidechse Ipsen, um sie bei nächster Gelegenheit gnadenlos wieder zu vergessen.
Im Laufe des Theaterabends taten sich dem gespannt folgendem Publikum immer mehr heftige und tiefe Abgründe im Leben beider Frauen auf. Nach und nach enthüllte sich, was es mit der Languste als dem schlechtsinnigen Symbol für Luxus und dem „Höheren, das unsereins eigentlich nicht zusteht“, auf sich hat. Ulla Krug entführte die Zuschauer in die späten 50-er Jahre mit Witz und passendem Zungenschlag. Im plaudernden Erzählstil entpuppte sich die Protagonistin zwar als vom Leben Gebeutelte, zugleich aber ist sie - wie das Publikum mit Genuss erlebte - eben diesem Leben ohne Zweifel mit Humor, Widerspruchsgeist und zupackenden Händen gewachsen.
Wer dagegen Madame Iris ist - die von Dino Buzzati geschaffene Figur des im zweiten Teil des Abends gespielten Einakters: Das blieb nicht zuletzt dank der Schauspielkunst von Friederike Mundt in der Schwebe. Gerade noch schlenderte sie selbstbewusst mit neckischen Hauspantöffelchen durch ihre Wohnung, da ließ sie ein undefiniertes Geräusch oder ein nur ihr zugänglicher Gedanke in Panik verfallen oder die Antwort eines imaginären Gegenübers provozierte unverhoffte Wut oder einen Stich mit der Nadel durch das Strohpüppchen, der das Publikum zusammenzucken ließ. Auf der sicheren Seite war man als Zuschauer nie - und das machte das Zusehen spannend. In diesem zweiten Stück beherrschte nicht so sehr das Wort, sondern mehr noch der Ausdruck die Szene. Friederike Mundt gelang es, selbst krasseste Brüche ihrer Figur durch Mimik und Gestik unmittelbar glaubhaft und erlebbar zu machen.
‚Frauen Solo’ ist noch am kommenden Freitag, den 18.11. sowie am 2. und 3.12. und am 16.12. im Theaterstall Brackede jeweils um 20 Uhr zu sehen. Infos und Karten gibt es unter www.theaterstall.de oder Tel. 05857 / 1344. –EZ-Redaktion/lh-
