Schlaflose Nächte mit Bauchschmerzen und Schwangerschaft
Bleckede. Am Dienstag fand die dritte Informationsveranstaltung der Stadt Bleckede zum Thema Fusion statt. Das Bleckeder Haus war gut besucht und auf dem Podium nahmen neben dem Moderator Malte Lühr der Bürgermeister Jens Böther, Wilhelm Kastens, Holger Grinda und Volker Fritz Platz. Auffällig war, dass viele Themen zwar angesprochen, aber eher pauschal abgearbeitet wurden. Beispiel demografischer Wandel: Ein Themenbereich, der durch die Fusion, so die Aussagen, intensiv bearbeitet werden müsse und wo der Bürgermeister eine bessere Handlungsweise durch eine fusionierte Gemeinde sah, aber über das ‚Wie’ keine Aussagen kamen. Beispiel ‚besser aufgestellt’: Häufig wurde der Begriff von allen Beteiligten auf dem Podium angesprochen. Man wäre bei einer fusionierten Gemeinde besser aufgestellt, aber über eine gute Vertretung im Kreistag kam man nicht hinaus. Beispiel ‚Abwasserentsorgung’: Hier wurde aus dem Publikum deutlich, dass die Gebühren in den Gemeinden unterschiedlich seien und ein Bedarf einer Gesamtlösung in Betracht gezogen werden müsse, jedoch wurde vom Bürgermeister nur darauf eingegangen, dass in Bleckede Wasser gespart werde, die Fixkosten für die Abwasseranlage aber bestehen bleiben würden. Er befand, dass das Thema nach einem Beschluss zur Fusion intensiv behandelt werden müsse. Volker Fritz stellte hervor, dass Bleckede mit seinen Projekten sehr positiv im Fokus des Landes stehe und entsprechend viele Landespolitiker sich für den Ort an der Elbe einsetzen würden. Unklar ist lediglich, was diese Tatsache mit der fusionierten Gemeinde zu tun hat.
Insgesamt präsentierten sich die CDU/FDP-Mitglieder sehr überzeugend, vermieden es jedoch in Details zu kommen, um eine positive Botschaft zu vermitteln, die letztlich auch so bei den Teilnehmern ankam.
Dass die Entscheidung der einzelnen Ratsmitglieder für oder gegen eine Fusion nicht einfach ist, schilderte Volker Fritz, der seit ca. einem viertel Jahr schlaflose Nächte hat, anschaulich. Überzeugender dagegen meldete sich Herbert Beusch zu Wort. Er zeigte der Versammlung auf, wie sehr er sich zur Zeit unter Druck gesetzt fühle. Er machte ebenfalls deutlich, dass sich durch eine Fusion das Zusammenleben in Bleckede unkorrigierbar ändern werde. Er empfand auch im Falle einer Fusion die Neueinteilung der Wahlbezirke für Bleckede in Stadt und Land als äußerst unglücklich. Er machte ebenfalls deutlich, dass er zurzeit gegen eine Fusion tendiere.
Eine Gruppe jüngerer Leute aus Neuhaus brachte zum Ausdruck, dass sie sich mehr zum Land Mecklenburg Vorpommern hingezogen fühlen würden als zu Niedersachsen. Darüber hinaus sei der Schulweg nach Bleckede durch die Fähren wesentlich länger als nach Boizenburg, insbesondere dann, wenn die Fähren nicht im Einsatz seien. „Ein Teil der Neuhauser Bürger warten darauf, dass sich Bleckede gegen eine Fusion ausspricht.“ Auf die Frage, wer sich 2011 denn um das Amt des Bürgermeister bewerben werde, bestätigte Jens Böther, dass er dazu gewillt sei, während Joachim Dassinger sich mehr als zweiten Mann einbringen möchte. Ludger Bisping fasste zusammen, welche positiven Aspekte mit einer Fusion verbunden sind und setzte das mit einer Schwangerschaft gleich, die letztlich zur Geburt eines Kindes führe. Auf die ‚Bauchschmerzen’, die Frank Bachthaler in Bezug auf die Fusion hat, antwortete Bisping, dass das natürlich sei, wenn man schwanger ist. (Anmerkung der Redaktion: Seit diesem Zeitpunkt weiß auch jeder Mann, dass er, wenn er Bauchschmerzen hat, schwanger sein könnte.)
Noch vor der Ratssitzung am Donnerstag, dem 12.11.09, veranstaltet der Forum ‚Bürger für Bleckede’ am heutigen Donnerstag eine Podiumsdiskussion im ‚Haus der Künste’, in der Zollstraße, um 19.30 Uhr, zu der Dr. Klaus Gritz auf der Informationsveranstaltung, alle interessierten Bürgerinnen und Bürger aus Bleckede einludt. -EP-Redaktion/wh-

