05.11.2009

Rührendes Porträt des Bleckeder Komponisten Kücken

Der St. Jacobi-Chor und Kirchenkreischor und die Sopranistin Dorothea Gotthelf stellten unter der Leitung von Jan Peter Heine Musik von Friedrich Wilhelm Kücken vor. Ernst Tipke (vorne rechts) erzählte aus dem Leben des Komponisten.

Der St. Jacobi-Chor und Kirchenkreischor und die Sopranistin Dorothea Gotthelf stellten unter der Leitung von Jan Peter Heine Musik von Friedrich Wilhelm Kücken vor. Ernst Tipke (vorne rechts) erzählte aus dem Leben des Komponisten.

Bleckede. Das Jubiläumsjahr 800 Jahre Bleckede neigt sich seinem Ende zu. Das soll und kann aber nicht sein, ohne auch an den Komponisten Friedrich Wilhelm Kücken zu erinnern, der am 10. November 1810 in der Elbestadt geboren wurde. Darin waren sich Kantor Jan Peter Heine und Ernst Tipke einig und haben schon im Vorjahr gemeinsam mit der Vorbereitung eines „Kücken-Abends“ begonnen. Heine durchstöberte die Archive, kopierte - teilweise handschriftlich - Partituren und zu einem Gedicht schrieb er gar selbst die Noten. Mit dem St. Jacobi-Chor und dem Chor des Kirchenkreises übte er dann verschiedene Chorwerke ein, für andere brauchte er eine Liedersängerin. Die fand er in der Lüneburger Sopranistin Dorothea Gotthelf, die bereit war, die für sie noch unbekannten Lieder einzustudieren. Kantor Heine hat gründlich gearbeitet und für die Veranstaltung eine stattliche Auswahl von teilweise unbekannten und selten aufgeführten Liedern und Chorwerken Kückens aus der Versenkung geholt. Über hundert Besucher kamen am letzten Sonntag in die St. Jacobi-Kirche zu der vom Kultur- und Heimatkreis und der Ev. Kirchengemeinde durchgeführten Veranstaltung und lernten den Komponisten und Dichter Kücken teilweise ganz neu kennen und schätzen, denn Kückens Musik ist so „richtig was fürs Herz“. Zum Auftakt sang der Chor unter der Leitung von Jan Peter Heine allerdings ein Lied, das nicht aus Kückens Feder stammte, aber aus seiner Zeit: „Du, du liegst mir am Herzen“. Und genau so romantisch ging der Abend weiter mit herrlichen Vertonungen von Gedichten Ludwig Uhlands und Heinrich Heines, letzteren hat Kücken besonders geschätzt. Kückens wohl bekanntestes Lied nach einem Text von Helmine von Chezy ist „Ach, wie ist’s möglich dann, dass ich dich lassen kann“. Es erklang an diesem Abend gleich in dreifacher Fassung: als Volkslied, Chorwerk und als Lied für Sopran mit Pianobegleitung. Friedrich Wilhelm Kücken schrieb das Stück in einer sehr traurigen Gemütsverfassung. Er war nämlich einer von drei Söhnen eines Scharfrichters. Als er sich in ein Mädchen aus Bleckede verliebte, verboten ihm deren Eltern den Umgang. Denn es war so üblich, dass das Amt des Vaters auf einen der Söhne übertragen wurde, was der Familie des Mädchens sehr unangenehm war. Geschichten dieser Art aus Kückens Leben erfuhren die Zuhörer an diesem Abend von Ernst Tipke, der sich seit undenklichen Zeiten für den Komponisten interessiert, aber dazu später mehr.

Mit dem „Frühlingslied“(op.25) trug der Chor ein weiteres volkstümliches Lied vor. Hier lässt sich die Lust am Erwachen der Natur geradezu mit Händen greifen, Kuckucksrufe erklingen in allen Stimmlagen. Mit der Lüneburger Sopranistin Dorothea Gotthelf hatte Heine („Der muss ein weit entfernter Verwandter von Heinrich Heine sein“, meinte Ernst Tipke augenzwinkernd) die richtige Wahl getroffen. Von der Empore herab sang sie mit ihrer warmen, schlicht geführten Stimme Solostücke aus op. 17, 19 und 57, begleitet von  Heine an der Orgel. Herausragend: „Du bist wie eine Blume“ (Text: Heinrich Heine) und „Ach, wenn du wärst mein eigen“ (Text: I. M Hahn-Hahn). Als Höhepunkt des Abends erklang das „Engel-Lied“, das Kantor Heine für den Chor verfasst hat, nach einem Gedicht von Kücken. Darin wird in überaus romantischer Manier das Wesen der Engel beschrieben:

Das Helle, Leichte, Schwebende hat der Kantor wunderbar in Töne gesetzt. Das gefiel dem Publikum außerordentlich. Zwischen den Musikbeiträgen erzählte Kücken-Kenner Ernst Tipke informativ und gespickt mit lauter heiteren Anekdoten aus dem Leben des Komponisten und aus seiner Zeit. Wirklich erstaunlich, was für Geschichten Tipke zusammengetragen hat. Zum Beispiel über das Ableben des Komponisten am 3. April 1882 in der Schweriner Pferdebahn, „die Zigarre noch qualmend im Munde“. Die besagte angebrochene Zigarre ließ Tipke dann in einem Zigarrenkästchen durch die Bankreihen wandern ...

Im kommenden Jahr, in dem der 200.Geburtstag von Friedrich Wilhelm Kücken gefeiert wird, wird sicherlich wieder Musik des großen Romantikers in Bleckede erklingen. –EP-Redaktion/swr-

Nachrichten aus dem Landkreis Lüneburg und der Elbtalaue