30.09.2010

Publikum feiert Hajo Fouquets Debut mit ‚Hoffmanns Erzählungen’

Die Vorsitzende des Theater-Freundeskreises, Heiderose Schäfke, überreichte dem neuen Intendanten des Theaters, Hajo Fouquet einen Scheck in Höhe von 10.000 Euro und einen Blumenstrauß für sein gelungenes Regie-Debut.

Die Vorsitzende des Theater-Freundeskreises, Heiderose Schäfke, überreichte dem neuen Intendanten des Theaters, Hajo Fouquet einen Scheck in Höhe von 10.000 Euro und einen Blumenstrauß für sein gelungenes Regie-Debut.

Lüneburg. Das war ein Saison-Start nach Maß! Das Theater Lüneburg eröffnete am letzten Samstag im restlos ausverkauften Haus die Spielzeit 2010/2011 mit der Premiere der fantastischen Oper „Hoffmans Erzählungen“. Der neue Intendant des Hauses, Hajo Fouquet, setzte das unvollendete Spätwerk Jacques Offenbachs in dem Bühnenbild von Stefan Rieckhoff in Szene. Ein Ensemble, bestehend aus alten bekannten und neuen Darstellern sang und spielte hoch motiviert und zeigte künstlerisch erstrangige Klasse. Als der Vorhang nach fast drei Stunden fiel, feierte das Publikum das Ensemble mit langem begeistertem Applaus und Standing Ovations. Einzelne Solisten wie Franka Kraneis, Sonja Gornik, die Gastsängerin Ruth Fiedler und Karl Schneider ernteten auch noch Bravo-Rufe. In der anschließenden Premierenfeier wurde dann ausgiebig auf den ersten großen Erfolg unter dem neuen Leitungsteam angestoßen.

 

Der Dichter Hoffmann ist unglücklich verliebt. Seine Geliebte, die Opernsängerin Stella, hat ihn betrogen und verlassen. Während diese auf der Bühne steht, geht er nebenan in „Luthers Weinkeller“ und versucht sie beim Wein zu vergessen. Im Kreise seiner Trink-Kumpane erinnert er sich an vergangene Liebschaften, drei unterschiedliche Frauenseelen, die er alle in der Seele Stellas vereint sieht. Keine von ihnen konnte ihn auf Dauer glücklich machen. Das ist der Stoff der fantastischen Erzählung des Dichters E.T.A. Hoffmann, zu der Jacques Offenbach eine großartige, schillernde Musik mit vielgestaltigen Arien zwischen heiter, romantisch, düster und dramatisch schrieb. Manche der Melodien, wie die „Barcarole“ sind längst zu Klassikern geworden. Die Lüneburger Sinfoniker in großer Besetzung, unter der Leitung von Urs Michael Theus, spielten farbig und kraftvoll und geleiteten die Solisten behutsam durch ihre teilweise langen Arien. Karl Schneider überzeugt auf der ganzen Linie als unglücklicher Dichter Hoffmann, der seine Liebe mit aller Macht vergessen will. Neben den Solistinnen an seiner Seite wächst er an diesem Abend gesanglich über sich hinaus, zeigt eine überraschende Ausdrucksvielfalt. Die Sängerinnen an seiner Seite: Da ist erst einmal die Muse, die Hoffmann ganz für die Kunst gewinnen will, sich dafür in seinen Freund Niklas verwandelt, schalkhaft gespielt und lyrisch schön gesungen von Yaroslava Romanova (Mezzosopran). Ruth Fiedler singt die Olympia, die seelenlose Maschine mit grandioser Stimme. Ihre Arie mit den diffizilen Koloraturen meistert sie glanzvoll und mühelos, stellt dabei das Mechanische der Puppe anschaulich dar. Franka Kraneis singt die Partie der Antonia, die empfindsame Künstlerin, die an ihrem Gesang zugrunde geht. Schließlich Sonja Gornik als Giulietta, die kalte, berechnende Kurtisane, die keine wahre Liebe kennt. In Ulrich Kratz (Bariton), der seit 1991 fest am Theater Lüneburg engagiert ist, begegnet man in mehreren Rollen dem abgründigen Bösen, dem Widersacher und Intriganten. Kratz kostet seine Rollen stimmlich hervorragend und mit viel Vergnügen aus. In weiteren Rollen und Doppelrollen sind zu erleben: Der neue Bass MacKenzie Gallinger u.a. als fideler Diener Franz, Uwe Salzmann u.a. als zerstreuter Erfinder Spalanzani, Arthur Pirvu u.a. als Luther sowie Steffen Neutze als Schlemihl. Nicht zu vergessen Anna Bause als Opern-Diva Stella. Großartig ist an diesem Abend auch der Haus- und Extrachor (Leitung Deborah Coombe), der viele Szenen gesanglich und schauspielerisch mitträgt. Besonders erfreulich ist an diesem Abend die absolut deutliche Aussprache bei allen Sängern/innen, auch der Solisten. Stefan Rieckhoffs Bühnenbilder sind karg ausgestattet, die Türen und Fenster in den Räumen sind auffallend hoch, farblich dominiert Schwarz und Weiß. Eine große Feder schwebt über dem Raum, als Symbol für den Poeten Hoffmann oder auch als Verweis auf die göttliche Muse, die zu Beginn der Aufführung polternd auf der Bühne landet. Den zentralen Figuren, die - anders als die übrigen Darsteller - in kräftigen Farben gekleidet sind, ordnet Rieckhoff markante Symbole zu: der Puppe Olympia einen Automaten, Antonia ein Klavier, zu Giulietta gehört die venezianische Gondel. Hajo Fouquet gelang eine bis ins letzte Detail stimmige Aufführung, die trotz der vielen Ebenen klar und verständlich rüberkommt. Auf der Premierenfeier überreichte die Vorsitzende des Theater-Freundeskreises, Heiderose Schäfke, dem neuen Intendanten Hajo Fouquet einen Scheck in Höhe von 10.000 Euro als Unterstützung für aufwändige Produktionen wie den „Hoffmann“. Das Land Niedersachsen wird diese Spende verdoppeln, sagte der zur Premiere angereiste Theaterreferent Detlef Lehmbrock aus dem Ministerium für Wissenschaft und Kultur zu. Er versprach auch, dass er bei den bevorstehenden Verhandlungen über die künftigen Fördergelder aus Hannover die gelungene Premiere in seinem Hinterkopf behalten werde. Der „Hoffmann“ ist wieder zu erleben am 9., 17., 22., 27. und 31. Oktober und außerdem im November und Dezember. -swr- 

Nachrichten aus dem Landkreis Lüneburg und der Elbtalaue