20.12.2011

Neuanfang für die Bleckeder Kleinbahn

Bleckede. Für die Mitglieder des ehrenamtlichen arbeitenden Museums- und Touristikbahnvereins Arbeitsgemeinschaft Verkehrsfreunde Lüneburg e.V. (AVL) wurde der 13. Dezember 2011 zu einem Freudentag – trotz des miesen Wetters.

Im März dieses Jahres wurde die Bahnstrecke Lüneburg – Bleckede nach einer Streckenbereisung von den Aufsichtsbehörden betrieblich mit der Auflage gesperrt, diese wieder in einen betriebssicheren Zustand zu versetzen. Die AVL, welche die Strecke vom derzeitigen Eigentümer, den Osthannoverschen Eisenbahnen AG (OHE), zu übernehmen suchten, erarbeiteten ein Sanierungskonzept und fanden bei der Qualifizierungsmaßnahme „Hanse.Zug“ der „job.sozial“ GbR, welche Langzeitarbeitssuchende in den 1. Arbeitsmarkt vermitteln möchte, ein offenes Ohr.

Während die AVL teils aus eigenen Mitteln, teils mit Zuschüssen vom Landkreis Lüneburg, der Stadt Bleckede und den Gemeinden Scharnebeck und Rullstorf/Boltersen Gleisbaumaterial wie Schwellen und Schienenbefestigungen besorgte und heranschaffte, gingen die Mitarbeiter von „Hanse.Zug“ unter fachkundiger Anleitung eines versierten, langjährigen Gleisbaumeisters an die teilweise schwere Arbeit. Auf weiten bemängelten Streckenabschnitten wurden im Bereich Lüneburg und Rullstorf hunderte marode Schwellen erneuert, Spurfehler im Gleis behoben, Bahnübergänge saniert und Entwässerungsgräben wiederhergestellt. Die OHE hingegen übernahmen aus eigenen Mitteln im Bereich Ebensberg den Neubau eines 500 Meter langen Abschnitts mit schwerem Gleis und Betonschwellen, ebenso lieferten sie weiteres Gleisbaumaterial und unterstützten die AVL wohlwollend. Die Eisenbahnfreunde selbst waren aber auch nicht untätig: Neben der begonnenen Sanierung des Bleckeder Bahnsteigs erledigten sie in ihrer Freizeit Gleisbauarbeiten auf dem langen Abschnitt von Neu Neetze bis kurz vor Bleckede. Ebenso begleiteten sie die Sanierungsarbeiten von „Hanse.Zug“ und erwarben dadurch weitere wichtige Erkenntnisse im Gleisbau.

Nach Abschluss der Bauarbeiten fand am letzten Dienstag eine weitere Bereisung der Strecke statt. Mit von der Partie waren Vertreter der Landeseisenbahnaufsicht, des niedersächsischen Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, der OHE, der AVL, des Eisenbahn-Ausbesserungswerks Bleckede und der „job.sozial“. Die zuständigen Behörden zeigten sich beeindruckt von den großen Fortschritten, die seit April gemacht wurden, und genehmigten dem neuen Eisenbahninfrastrukturunternehmen „Bleckeder Kleinbahn UG“ (BIKB), einer Tochtergesellschaft der AVL, die Betreibung dieser Strecke ab dem 1. Januar 2012. Die Streckensperrung wurde aufgehoben und das Ausbesserungswerk in Bleckede kann ab sofort wieder Lokomotiven auf dem Schienenwege empfangen bzw. versenden.

Somit steht auch der Einweihung der Strecke am 1. Mai 2012 nichts mehr im Wege. Der Heide-Elbe-Express wird ab dem 1. Mai 2012 regelmäßig an Wochenenden, überwiegend 14-tägig, Touristen in die Region befördern. Zum Einsatz kommen werden dann auch zwei restaurierte ehemalige OHE-Triebwagen aus den Jahren 1933 und 1955, die bereits bis 1977 auf der Strecke im Einsatz waren. Neben der Sicherung der Arbeitsplätze im Bleckeder Ausbesserungswerk und der nun endgültig möglichen Aufnahme des Touristikverkehrs hat das Projekt aber auch noch einen weiteren positiven Gesichtspunkt: Durch ihre Teilnahme an der Qualifizierungsmaßnahme und deren Erfolg haben mehrere Langzeitarbeitslose bereits einen festen Arbeitsplatz bei beeindruckten regionalen Betrieben erhalten. Ebenso wurde in Aussicht gestellt, dass eine Weiterführung dieser Qualifizierungsmaßnahme auf Grund des Erfolges möglich sei.

Die Elbmarsch-Zeitung wird zeitnah über alle weiteren Entwicklungen berichten. –avl-

Nachrichten aus dem Landkreis Lüneburg und der Elbtalaue