12.11.2009

Natur und Kultur im Ringkampf

‚Biosphärenreservat’ ist nicht nur ein regionales Thema: Staatssekretär Dr. Stefan Birkner vom Niedersächsischen Ministerium für Umwelt und Klimaschutz sprach in Bleckede zur 5. Jahrestagung

‚Biosphärenreservat’ ist nicht nur ein regionales Thema: Staatssekretär Dr. Stefan Birkner vom Niedersächsischen Ministerium für Umwelt und Klimaschutz sprach in Bleckede zur 5. Jahrestagung

Bleckede. Zuerst traf man sich im kleinen Rahmen. In diesem fünften Jahr, zum „klitzekleinen Jubiläum“- wie der Leiter der Biosphärenreservatsverwaltung Prof. Dr. Johannes Prüter formulierte - war das Bleckeder Haus einen Samstag lang gerade richtig groß genug für alle Fachleute und Interessierten.

Neben einem Grußwort von Landrat Manfred Nahrstedt und Bürgermeister Jens Böther sprach auch Staatssekretär Dr. Stefan Birkner vom Niedersächsischen Ministerium für Umwelt und Klimaschutz. „Die Landesregierung wird sich weiter für das Biosphärenreservat einsetzen“, versprach Birkner und skizzierte nach einem kurzen geschichtlichen Abriss zur Idee der Biosphärenreservate zehn zukunftsweisende Aufgaben. Neben weiterer Vernetzung (Stichwort länder-, gemeinde- und fachübergreifendes Arbeiten, Einbeziehen der Bevölkerung), legte der Staatssekretär einen Schwerpunkt auf die Bildungs- und Informationsarbeit: „Die Menschen müssen näher an die Natur gebracht werden, so nahe, wie es geht.“ 

‚Natur und Kultur’ - so war die Jahrestagung für das Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue im Jahr der Deutschen Biosphärenreservate 2009 übertitelt.

Natur und Kultur in Einklang zu bringen und zu halten, das ist in Kurzform das Ziel, das in den als Biosphärenreservate ausgewiesenen Gebieten in besonderer Weise verfolgt werden soll. Als ‚Modellregion’ soll hier erarbeitet werden, was ein Beispiel sein kann auch für andere Landstriche. „Identität der Landschaft, nachhaltiges wirtschaften, Artenschutz- und Pflege, touristische Erschließung, Bewältigung des Klimawandels“ sind dabei nur einige Stichworte und Aufgaben, die vor Ort mit Unterstützung durch Landes- und EU-Gelder angegangen werden. In welchen unterschiedlichen Projekten mit einer Vielzahl von Partnern dies vor Ort geschieht, machte der Leiter der Biosphärenreservatsverwaltung Prof. Dr. Johannes Prüter in einer informativen Übersicht deutlich.

 

Konfliktpotenzial vor der Haustür

Dass Natur und Kultur nicht deckungsgleich und unproblematisch zusammengehen, war einmal mehr in der anschließenden Diskussion zu spüren. Die Stimme, die es als ‚Affront’ verstand, dass Bürgermeister Böther in seinem Grußwort mit deutlichen Worten gefordert hatte „das Problem ‚Verbuschung’ wortwörtlich an der Wurzel zu packen“, wurde vom Publikum der Jahrestagung genauso beklatscht, wie Böthers Entgegnung: „Als Bürgermeister ist es meine Aufgabe und Pflicht, die Ängste der Bürger vor dem Ansteigen der Elbe ernst zu nehmen.“ „Es muss schnell und umfassend etwas passieren“ gegen des starken Bewuchs im Elbvorland, „die Kulturlandschaft ist dabei, ihren Charakter zu verlieren“.

Für Prüter stehen sich Hochwasserschutz und Naturschutz nicht in einem unlösbaren ‚Entweder-Oder’ gegenüber. Beides zusammen „das ist möglich!“ betonte der kompetent informierende und Wogen glättende Wissenschaftler. Bisher gibt es einzelne Absprachen für Rückschnitte im Elbvorland. Das sei allerdings nicht genug, so Prüter. Zurzeit wird geprüft, ob die Wiederangliederung von fünf Nebenarmen an die Elbe machbar und sinnvoll ist. Ein langfristiges Gesamtkonzept steht noch aus. Auch die Dokumentation darüber, was in der Region zum Thema ‚Energie’ bisher getan wurde, die ein Diskussionsteilnehmer vermisste, steht als Punkt auf der Liste der anzugehenden Arbeiten. „Das Energiethema ist für die Entwicklung als Modellregion sehr wichtig“, urteilte Prüter und wies auf die neu eröffnete Akademie für regenerative Energien in Lüchow-Dannenberg hin. Hier erhofft man sich eine gute Zusammenarbeit. -EP-Redaktion/lh-

Nachrichten aus dem Landkreis Lüneburg und der Elbtalaue