Nachwuchs in Sicht

Berichteten zum Stand der Jugendarbeit in Bleckede: Britta von Bodungen und Dietrich Bangen vom Albert-Schweitzer-Familienwerk
Einstimmig für zweite Krippengruppe in Bleckede
Bleckede. Umfrage der Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen (forsa), Pressebericht des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Bürgermeisters Worte zur ‚Zukunftsinvestition’: Alles nicht nötig. In Bleckede ist man sich - zumindest im Jugend-, Sport- und Sozialausschuss der Stadt - einig, dass eine zweite Krippengruppe dringend benötigt wird. Einstimmig votierte man letzten Montag für die Einrichtung einer zweiten Gruppe zur Betreuung von Kindern unter drei Jahren in den Räumen des Kindergartens Robert-Koch-Straße.
Für veranschlagte 100.000 Euro (finanziert durch Landkreis und Land bei 5 Prozent Eigenbeteiligung der Stadt) wäre auch der Ausbau für eine solche Gruppe im Alt Garger Kindergarten möglich. Die meisten Anmeldungen für einen Krippenplatz stammen jedoch aus Bleckede direkt. Hier wohnen zur Zeit ca. 90 ‚potenzielle Kunden’ für eine Krippe, in den restlichen Ortsteilen sind es zusammen nur etwa 55 Kinder. Für die erst seit 14 Monaten bestehende Krippengruppe im Robert-Koch-Kindergarten zählt die Warteliste bereits 11 Kinder.
„Wenn wir dem Ziel des Landes Niedersachsen folgen wollen, müssten wir drei Gruppen für Kleinstkinder anbieten“, informierte Bürgermeister Jens Böther. Er ist überzeugt: „Es wird Standard werden, dass Kinder früher in die Betreuung gehen.“ Ab 2013 wird es nach dem Willen der Bundesregierung einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz geben. Kritisch sieht Böther die vor allem aus Bayern forcierte Diskussion um eine so genannte ‚Herdprämie’ für Eltern, die ihre Kinder zu Hause behalten. „Das setzt verkehrte Anreize“, betonte Böther: „Ich bin persönlich davon überzeugt, dass es vielen, vielen Kindern gut bekommt, in der Krippe zu sein.“ Um eine noch bestehende Lücke in der Kinderbetreuung zu schließen, müsse seiner Meinung nach zukünftig auch ein Ganztagsangebot an den Grundschulen folgen.
Elke Schwarz, Leiterin der Einrichtung Robert-Koch-Straße, möchte in der Krippenarbeit weniger das Thema ‚Betreuung’, sondern vielmehr den Bildungs- und Förderungsaspekt vorangestellt sehen. Viele Kinder, so ihre Beobachtung, seien heute in ihrem Umfeld das einzige Kind. Der Umgang mit anderen fehle hier oft.
In der Krippe im Obergeschoss des Robert-Koch-Kindergartens werden zurzeit 15 Kinder unterschiedlichen Alters betreut. EP-Redaktion/lh-
Ohne Ehrenamt halb so viel los
Bleckeder Jugendzentrum gut bei der Sache
Bleckede. Fünfzehn vor Ort ausgebildete ehrenamtliche Jugendgruppenleiter, aktiv und motiviert: Auf diese Jugendlichen sind Britta von Bodungen und Dietrich Bangen vom Albert-Schweitzer-Familienwerk sichtlich stolz. Gemeinsam mit zwei studentischen Hilfskräften, zwei Praktikantinnen der Erzieherschule, vier Schulpraktikanten und so manchen Helfern, die ihre vom Gericht verordneten Sozialstunden hier ableisten, haben die Jugendgruppenleiter mit Unterstützung der zwei Hauptamtlichen im Jugendzentrum im vergangenen Jahr ein Angebotsprogramm für Kinder und Jugendliche auf die Beine gestellt, das sich sehen lassen kann. „Ohne sie hätten wir hier 50 bis 60 Prozent weniger Angebote“, urteilte von Bodungen in ihrem Arbeitsbericht, den sie in Vertretung von Jugendpfleger Maik Peyko vor dem Jugend-, Sport- und Sozialausschuss in den Räumen des Jugend- und Familienzentrums präsentierte.
20 bis 25 jugendliche Besucher kommen in der Woche täglich ins Zentrum an der Lüneburger Straße. Neu ist hier eine Hausaufgabenhilfe für Kinder von der 3. bis zur 9. Klasse. Besonders beliebt sind nach wie vor Kajak- und Kletterausflüge und das Sommerferienprogramm. „Hier treffen sich wirklich alle“, freute sich von Bodungen. Wenn es zum Heidepark geht oder nach Hagenbeck kommen gerne auch mal Großeltern oder Tanten mit. Dann redet jede mit jedem ohne große Vorbehalte. Im ‚normalen Alltag’ im Jugendzentrum sei das nicht immer so. Es gebe Hemmschwellen, ins Haus zu kommen, hat Ratsfrau Hinners beobachtet. Die Mitarbeiter begegnen dem vor allem damit, dass sie auch in den Schulen auftauchen und sich als Person bekannt machen. „Nur so funktioniert Jugendarbeit“, ist Gesamteinrichtungsleiter Bangen überzeugt. Auch das Engagement von älteren Jugendlichen als Jugendgruppenleiter ist ohne den guten Kontakt zu den Hauptamtlichen nicht denkbar. Nach dem Festumzug anlässlich der 800-Jahr-Feier Bleckedes, bei dem sich das Jugendzentrum mit einem originellen, selbst gebauten Wagen und dem Maskottchen Black-Ede der Öffentlichkeit präsentierte, „hatten wir im Jugendzentrum einen Boom an Besuchern“, so von Bodungen.
In Barskamp und Alt Garge hat sich mittlerweile eine gut angenommene Jugendarbeit etabliert. So kommen in Alt Garge teilweise 20 Kinder und Jugendliche zu den inzwischen wöchentlichen Treffen. Im Ortsteil Garlstorf dagegen wird das Angebot mangels Nachfrage eventuell eine Zeit lang eingestellt werden. „Durchaus kein Problem“, fand Dietrich Bangen. „Wo es eine attraktive und aktive Jugendfeuerwehr und Landjugend gibt, müssen wir nicht unbedingt auch noch da sein.“ Konkurrenz sei schließlich nicht das Ziel.
Zwar ist es die Aufgabe der Einrichtung, als Träger des Sozialraumprojektes besonders für sozial benachteiligte Jugendliche da zu sein. Als Träger der städtischen Jugendarbeit sind jedoch alle Kinder und Jugendlichen vor Ort Zielgruppe. Für ein gutes Klima und gelingende Jugendarbeit gilt wie so oft: Die Mischung macht’s. EP-Redaktion/lh-
