Mit Verve und Videoüberwachung

Kraftvoll aber gewaltlos für Zivilcourage: Organisator Klaus Dieter Röschke, Polizeipräsident Friedrich Niehörster, Landrat Manfred Nahrstedt, Oberbürgermeister Ulrich Mädge und der Leiter der Polizeiinspektion Lüneburg/Lüchow-Dannenberg/Uelzen Hans-Jürgen Felgentreu
Lüneburg. „Jeder kann jederzeit und allerorts in eine Situation geraten, in der andere seine Hilfe brauchen. Möglichkeiten der Hilfeleistung gibt es viele! Das entscheidende ist nicht, wie wir helfen, sondern dass wir es tun“, appellierte Friedrich Niehörster, Präsident der Polizeidirektion Lüneburg, am Montag bei der Eröffnung der Ausstellung ‚Mut zur Courage’ im Behördenzentrum. Anlass war der landesweite Aktionstag ‚Zivilcourage hat viele Gesichter - Zeig Deins’ (EP berichtete). Ihr Ziel ist es, die objektive und subjektive Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger zu stärken. Zur Eröffnungsveranstaltung kamen auch Landrat Manfred Nahrstedt, Oberbürgermeister Ulrich Mädge und der Leiter der Polizeiinspektion Lüneburg/Lüchow-Dannenberg/Uelzen Hans-Jürgen Felgentreu.
Die Kampagne steht unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Christian Wulff und entstand aus einer Initiative des Niedersächsischen Innenministers Uwe Schünemann und der Hannoverschen Verkehrsbetriebe, nachdem eine Reihe von Gewaltexzessen im öffentlichen Raum zu lebhaften Diskussionen in Gesellschaft und Politik geführt hatte. Die tragischen Umstände um den Tod von Dominik Brunner im September 2009 in München stellten den traurigen Höhepunkt dar.
Der Fall Dominik Brunner
Niehörster rekapitulierte das Geschehen in München, das die Republik im September 2009 erschreckte: In einem S-Bahn-Waggon bedrohten zwei 17- und ein 18-jähriger Täter vier Kinder im Alter von 13-bis 15 Jahren und verlangten Bargeld. Um der Forderung Nachdruck zu verleihen, schlug einer der Jugendlichen einem Kind ins Gesicht. Fahrgast Dominik Brunner schritt ein, alarmierte die Polizei und stieg mit den Kindern im nächsten Bahnhof aus. Auf dem Bahnsteig stellte er sich schützend vor die Kinder. Dann eskalierte die Situation. Zwei der drei Täter stürzten sich auf Brunner, brachten ihn zu Fall und malträtierten den am Boden liegenden mit Schlägen und Tritten so massiv, dass er später im Krankenhaus den Folgen seiner zahlreichen schweren Verletzungen erlag.
Ausstellung und Ehrung
Mit dem Aktionstag möchten die Landesregierung und Polizei die Wichtigkeit der Zivilcourage herausstellen und Menschen in Niedersachsen dafür gewinnen, noch häufiger und mutig für andere einzutreten und zu helfen, wenn Menschen in Gefahr sind. Polizei, Schulen, aber auch Betriebe des öffentlichen Nahverkehrs sowie Einrichtungen der Städte und Landkreise führen Informationsveranstaltungen durch, stellen Projekte vor und stehen so mit Rat und Tat zur Seite. Die Ausstellung ‚Mut zur Courage’ kann noch bis zum 19. April besucht werden. Insbesondere für Schulklassen bietet die Polizei begleitete Führungen an. Da das Behördenzentrum nicht frei zugänglich ist, wird um vorherige Anmeldung unter Telefon 04131/29-2307 gebeten.
Darüber hinaus initiieren und unterstützen die Polizeiinspektionen verschiedene Projekte. In Lüneburg gibt es unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Mädge seit kurzer Zeit eine Kooperation zwischen der Stadt Lüneburg, der Leuphana Universität sowie der Polizei, die engagierte Lüneburgerinnen und Lüneburger für ihr couragiertes Auftreten in Situationen, in denen andere Hilfe brauchten, ehren will. „Der Begriff ‚Zivilcourage’ macht deutlich, dass das Gemeinwesen nicht allein von Polizei und Justiz geschützt werden kann; jeder Einzelne kann sich einbringen und dazu beitragen, die Sicherheit für sich und andere im eigenen Umfeld zu stärken“, so Niehörster.
Polizeipräsenz und Videoüberwachung
Kriminalhauptkommissarin Eleonore Tatge vom Präventionsteam erläuterte in einem sich anschließenden Fachvortrag, welche Möglichkeiten der Hilfeleistung es gibt. Sie stellte klar: „Zivilcourage bedeutet nicht, dass der Helfende seine eigene Gesundheit aufs Spiel setzten muss. Zivilcourage ist grundsätzlich erst mal eine Einstellung. Aber es gibt Situationen, in denen man sich nicht traut. Wir wollen Mut machen, das Richtige zu tun, Handlungsalternativen aufzeigen.“
Zu den weiteren Bausteinen der Kampagne für Zivilcourage und gegen Gewalt gehören Präventionsmaßnahmen an Schulen, Erhöhung der sichtbaren Polizeipräsenz im öffentlichen Raum, sowie der Ausbau und die Optimierung von Technik zur Videoüberwachung und von Notrufanlagen im öffentlichen Nahverkehr, für deren Förderung 500.000 Euro zur Verfügung gestellt wurden. -EP-Redaktion/bk-
