29.07.2010

Mit Muskelkraft mangeln wie zu Uromas Zeiten

An der hölzernen Kaltmangel:  Burkhard Edler, links, von der  Arbeitsgruppe  ‚Flachs & Leinen‘ und Jürgen Kostka aus Bavendorf mit den  ‚Gewichten‘ Pauline, links, und Daniel.

An der hölzernen Kaltmangel: Burkhard Edler, links, von der Arbeitsgruppe ‚Flachs & Leinen‘ und Jürgen Kostka aus Bavendorf mit den ‚Gewichten‘ Pauline, links, und Daniel.

Dahlenburg/Lemgrabe. Der Anbau, die Verarbeitung und die daraus entstehenden Produkte standen nunmehr zum 13. Mal im Mittelpunkt des Flachsfestes in Dahlenburg-Lemgrabe. Die jahrtausende alte Tradition der Flachsgewinnung und der Verarbeitung wurde dem interessierten Zuschauer von der Arbeitsgruppe Flachs & Leinen anschaulich demonstriert und erklärt. Mit einfachen Werkzeugen und Geräten, wie sie schon Jahrhunderte bei der Flachsverarbeitung Verwendung finden, wurde der Werdegang der Flachspflanze bis hin zum fertigen Textilprodukt von handwerklich geschickten Mitarbeitern der Arbeitsgruppe Flachs & Leinen vorgeführt. Aber nicht nur Flachs & Leinen umfasste das Angebot auf der Freifläche neben dem Feuerwehrgerätehaus. Etwa 35 Verkaufsstände mit Kunsthandwerk, Holzspielzeug, Glaskeramik, Korbwaren, Schmiedekunst, Holzkunstartikeln, Wolle und Wollprodukte bis hin zu Blasmusikinstrumenten, die zu Lampen umfunktioniert wurden, umfasste das Angebot. Die Vielseitigkeit des Angebotes, die Atmosphäre und die teilweise außergewöhnlichen Kunstartikel sind es auch, die dieses Flachsfest für viele Besucher so interessant macht. So  kommt der Reppenstedter Heinz Schendel jedes Jahr zum Flachsfest nach Lemgrabe und er ist schon von Anfang an dabei, wie er sagt.

 

Das Flachsfest ist als regionale Veranstaltung fest etabliert

Aber auch einige Verkaufsstände sind schon seit Jahren dabei und nehmen für diesen Spezialmarkt eine lange Anreise in Kauf. Die Silberschmiedin Margarete Czerwinski aus Sievern bei Bremerhaven ist in diesem Jahr zum dritten Mal mit ihrem Mode- und Kunstschmuckstand hier. Ihr Mann Peter hat erstmals in Lemgrabe Blasinstrumente, Flöten, Saxophone, Trompeten usw. mitgebracht, die er selbst zu Tisch- und Stehlampen umgearbeitet hat. Eine originelle Idee, die bestimmt ihre Interessenten findet. In der Mitte des Geländes konnte man die „Menschliche Mangelmaschine“ bestaunen. Angetrieben von Muskelkraft und beschwert mit zwei Kindern, wurde das unter der Holzrolle befindliche Leinentuch gemangelt wie zu Urgroßmutters Zeiten. Das Gerät hatte also damals eine im Haushalt wichtige Funktion und gleichzeitig konnten die kleineren Kinder auf der Holzrolle mit hin und herfahren. Burkhard Edler von der Arbeitsgruppe Flachs & Leinen und Jürgen Kostka, Besucher aus Bavendorf, der seinen Sohn Daniel zusammen mit der kleinen Pauline als Gewichte auf die hölzerne Kaltmangel setzte, demonstrierten das in der damaligen Zeit schweißtreibende Wäschemangeln. Musikalisch unterhalten wurden die über 1000 Besucher von dem Musikerduo ‚Key West‘ und für das leibliche Wohl sorgten eine Kuchenbar, Imbiss- und Ausschankstand sowie frische Backwaren aus dem Wendland. Eine wieder einmal rundherum gelungene Veranstaltung, bei der auch das Wetter mitspielte. Der Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Lemgrabe-Dumstorf und die Arbeitsgruppe Flachs & Leinen haben mit dem Flachsfest eine regional interessante Veranstaltung etabliert, die im nächsten Jahr bestimmt wieder viele Besucher anlocken wird. -EP-Redaktion/jw-

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