30.09.2010

Mit dem Floß von Bleckede nach Lauenburg

Bleckede. „Die Baumstämme für das Floß hat die Geesthachter Forstverwaltung zur Verfügung gestellt und die geben wir am Montag in Lauenburg wieder zurück. Bis dahin muss ich aber noch Leute finden, die das Floß am Montag wieder auseinander bauen“, sagte der Vorsitzende des Vereins zur Förderung des Lauenburger Elbschifffahrtsmuseums, Wilhelm Bischoff, gegenüber der EZ am Samstagnachmittag im Bleckeder Hafen. Die Floßbauaktion war der Höhepunkt des 23. Deutschen Flößertages, der vom 23. bis 26.September in Lauenburg stattfand. Mit einem Lkw wurden die 14 Baumstämme für das Floß am Samstagmorgen im Bleckeder Hafen angeliefert und mit Hilfe eines Krans ins Wasser gehievt. Sofort begannen die Floßbauer aus Finowfurt und Winsen/Aller mit dem Verzurren der etwa 20 Meter langen Baumstämme. Nachdem gegen Mittag alle Baumstämme miteinander verbunden waren, wurden noch das Ruder am Heck und vorn die Zugvorrichtung für den Schlepper angebaut. Das Floß darf auf der Bundeswasserstraße Elbe nicht allein mit der Strömung nach Lauenburg fahren, sondern die 17 Stromkilometer flussabwärts mit Schlepperhilfe zurücklegen“, wie Wilhelm Bischoff erläuterte. „Seit April bin ich mit der Vorbereitung und dem Genehmigungsverfahren für die heutige Floßfahrt beschäftigt. Nach der behördlichen Bauabnahme des Floßes und der Zustimmung des Wasser- und Schifffahrtsamtes Lauenburg für die Fahrtstrecke wird das Floß vom Werftschlepper ‚Hein Dau‘ gezogen und gegen 14.00 Uhr in Richtung Lauenburg ablegen“, kündigte Wilhelm Bischoff das Ereignis an. Begleitet von einem Kamerateam des NDR ging die abenteuerliche Floßfahrt dann auch los. „Dieses Bild, ein Floß auf der Elbe, hat es zuletzt etwa 1930 gegeben. Bis in die dreißiger Jahre wurde noch Holz aus dem Böhmerwald über die Elbe mit Flößen nach Hamburg transportiert. Überhaupt wurde im Norden Deutschlands länger Holz mit Flößen transportiert als etwa in Süddeutschland.

 

Finowfurter Flößer waren bis 1972 mit Holztransporten unterwegs

Holz aus Osteuropa wurde noch bis 1972 über die Weichsel, Warthe und Oder auf dem Finowkanal von Finowfurter Flößern nach Berlin geflößt. Allerdings mussten die Flößer zu jener Zeit allein und ohne Schlepperhilfe ihre Flöße steuern. Ein wahrlich seinerzeit nicht ungefährlicher Beruf, der auch viele Todesopfer forderte. Heute wird die Flößerei in Deutschland nur für Gesellschafts- und Freizeitfahrten, wie zum Beispiel auf der Isar, betrieben“, erklärte Eberhard Seelig, stellvertretender Vorsitzender des Flößervereins Finowfurt bei Berlin. Tatsächlich verließ das selbstgezimmerte Floß gegen 14.15 Uhr mit seiner Besetzung und langsamer Schlepperhilfe den Hafen von Bleckede. Begleitet von der Wasserschutzpolizei, einem DLRG-Rettungsboot, einigen Privatbooten, vorbei an dem mit 15 Flößervereinen voll besetzten Raddampfer ‚Kaiser Wilhelm‘, der das Floß später elbabwärts überholte, zog der Geleitzug in Richtung Lauenburg davon. Der Deutsche Flößertag endete mit einem Festumzug der Flößervereine aus ganz Deutschland in ihren historischen Trachten am Sonntagvormittag in Lauenburg, der leider sprichwörtlich ins ‚(Regen)wasser fiel‘. -EZ-Redaktion/jw-

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