Menschgemachter Klimawandel schreitet voran

Einblicke und Aufschlüsse über das Weltklima vermittelte Prof. Dr. Markus Quante vom Forschungszentrum Geesthacht in Süttorf.
Süttorf. Zu einem aktuellen und hochinteressanten Vortrag zum Thema ‚Klimawandel und seine Folgen für die Region‘ hatte der Landfrauenverein Thomasburg am Montagabend nach Süttorf eingeladen. „Der vom Mensch verursachte Klimawandel ist real, schreitet voran, ist kaum noch vermeidbar, bestenfalls minderbar. Der Klimawandel wird sich in diesem Jahrhundert entfalten und weitgehende Anpassungsmaßnahmen erforderlich machen“, lautete jedenfalls das Fazit von Prof. Dr. Markus Quante, international anerkannter Atmosphärenforscher vom Forschungszentrum in Geesthacht. In seinem Vortrag zur globalen Klimaentwicklung, zu den Prognosen des Weltklimarates und zu den bisher vorliegenden Berechnungsmodellen sowie über die sich daraus ergebenden Konsequenzen berichtete er vor etwa 40 Thomasburger Landfrauen im Café am Reiterhof in Süttorf.
Erderwärmung ist nicht mehr zu stoppen
In seinem Vortrag wurde deutlich, dass infolge der Erderwärmung und des Klimawandels auch für Niedersachsen spürbare Veränderungen im Laufe dieses Jahrhunderts zu erwarten sind. Dabei werden tatsächlich von den Klimaforschern unterschiedliche Szenarien vorhergesagt. Alle Experten stimmen jedoch in der Feststellung überein, dass weltweit mit erheblichen Klimaverschiebungen und extremen Wetterlagen zu rechnen ist. Für diese Entwicklung werden, wie sollte es auch anders sein, je nach Standpunkt und Interessenlage unterschiedliche Ursachen geltend gemacht. Fest steht aber, und da sind sich alle Wissenschaftler einig, dass die Erderwärmung durch die Freisetzung so genannter Treibhausgase, insbesondere durch Kohlendioxid, Ozon, Methan, Lachgas und FCKW, die teilweise mehrere Jahrhunderte in der Atmosphäre verbleiben, dramatisch voranschreitet und deren Folgen schon heute unumkehrbar sind. Der vom Menschen verursachte Treibhauseffekt kann für einen Anstieg der Temperatur auf der Erde sorgen und die Verdunstung aus den Ozeanen dahingehend beeinflussen, dass sich schließlich auch die Wetterextreme verstärken.
Es wird trockener
Die Auswirkungen dieser Erwärmung spüren wir schon heute und werden sie in Zukunft in dramatischer Verstärkung erleben. Seit der Industrialisierung hat der Anstieg der Treibhausgase in der Atmosphäre um 35 Prozent zugenommen. Der Anstieg geht rasanter als vom Weltklimarat im Jahr 2000 vorausgeschätzt. Seit es wissenschaftliche Klimaaufzeichnungen gibt, war das Jahr 2009 nach 2005 das zweitwärmste Jahr. Auch in unserer Region ist die Temperatur im Laufe von 100 Jahren im Jahresmittel um 0,9 °C gestiegen, weltweit um 0,7°C. Das hört sich wenig an, dennoch hat der Erwärmungseffekt erhebliche Folgen, insbesondere für die Landwirtschaft. Es wird künftig trockenere Sommer mit etwa 25-40 Prozent weniger Niederschlägen, jedoch mit mehr Starkregen, geben. Die Winter werden wärmer, etwa 2-4° C, nasser, etwa 20-45 Prozent, und von mehr Niederschlägen bestimmt sein. Eine leichte Zunahme der Sturmstärken, mit etwa 3 bis 5 Prozent und Sturmfluten, die 60-80 cm höher auflaufen und länger verweilen, werden von der Wissenschaft vorhergesagt.
Der Meeresspiegel wird steigen
„Steigende Meeresspiegel sind durch das Abtauen der Pole allein nicht zu erwarten. Der Meeresspiegel steigt nur an, wenn Landeis und Gletscher schmelzen und das Meerwasser sich infolge der Klimaveränderung erwärmt. Dadurch dehnt es sich aus und trägt so zum Anstieg der Pegel bei“, erklärte Prof. Dr. Quante. Er machte gleichzeitig deutlich, dass diese Entwicklung uns voraussichtlich noch in diesem Jahrhundert bevor stehe. „Selbst unter weltweitem Einsatz regenerativer Energien, wie Wind-, Sonnen- und Wasserkraft, wird bis zum Ende des Jahrhunderts eine Klimaerwärmung von 2° C bis 6° C eintreten und der Meersspiegel wird bis zum Jahr 2100 etwa zwischen 40 Zentimeter und einem Meter ansteigen“, prophezeit Prof. Dr. Markus Quante. In den Prognosen geht die Wissenschaft davon aus, dass es auf der nördlichen Halbkugel wärmer und auf der südlichen Halbkugel der Erde noch trockener werden wird. Auf diese Klimaveränderung müssen sich die Menschen einstellen und rechtzeitig entsprechende Anpassungsmaßnahmen treffen.
Der Klimawandel wird astronomische Kosten verursachen
Holland, ein Land unter dem Meeresspiegel, trifft heute schon Maßnahmen, um für den Fall des Meerwasseranstiegs gerüstet zu sein. Es wird also nach den Prognosen der Wissenschaft erhebliche Klimaveränderungen auf der Erde geben, die astronomische Summen verschlingen werden. Der gesamten Menschheit, den Vereinten Nationen, der Politik und den Industrien der Welt muss deutlich gemacht werden, dass es ein ‚weiter so‘ nicht geben kann. Immerhin besteht die Hoffnung, dass auf der nächsten Weltklimakonferenz in Bonn und auf dem kommenden Weltklimagipfel endlich Fortschritte erzielt werden. „Die Hoffnung ist zwar gering, aber sie stirbt auch zuletzt“, sagte Prof. Dr. Markus Quante zum Abschluss seines aufschlussreichen Vortrages. -EP-Redaktion/jw-
