07.01.2010

Karneval in Venedig und in Bleckede

Bleckede. Über 400 Gäste kamen am letzten Sonntag zum traditionellen Neujahrskonzert des Kultur- und Heimatkreises Bleckede in das Bleckeder Haus. Für diesen stimmungsvollen musikalischen Jahresauftakt konnte der Verein wieder einmal das beliebte Göttinger Symphonie Orchester gewinnen, das bereits einige Male in Bleckede das Neue Jahr begrüßt hatte. Der Abend, der das Motto „Karneval in Venedig“ trug, versprach Heiterkeit, ausgelassene Lebensfreude und Farbigkeit. Dirigent Christoph-Mathias Mueller, der den bunten Melodienstrauß mit Musik von Dvorak, Chatschaturjan, Offenbach, Verdi, Brandt, Böhme und natürlich dem unverzichtbaren Josef Strauß (Sohn) gebunden hatte, traf das Motto auf den Punkt. Mit kräftigen Paukenschlägen und „Fortissimo“ der Streicher und Bläser beginnt die Ouvertüre „Karneval op. 92“ aus Dvoraks Zyklus „Natur – Leben – Liebe“, die am Anfang des Konzertes stand. Das Orchester spielte von Anfang an engagiert und mit frischer Dynamik, folgte dabei präzise dem gebärdenreichen Dirigat ihres Dirigenten Christoph-Mathias Mueller. Der gebürtige Schweizer hat im Herbst 2005 die künstlerische Leitung des Göttinger Symphonie Orchesters übernommen. Die langsamen Passagen der Ouvertüre gestaltete das Orchester mit viel Gefühl und perlender Eleganz. Ganz anders sind die beschwingten und temperamentvollen Tänze des armenischen Komponisten Aram Chatschaturjan, die er zu dem Schauspiel „Maskerade“ schrieb. Walzer und Mazurka rissen das Publikum sofort mit, aber die Romanze mit den schrägen Tönen konnte doch die Vermutung aufkommen lassen, dass der Komponist zuvor einige Gläser Wodka zuviel getrunken hatte. Nein, diese humorvolle Note sei durchaus beabsichtigt, erklärte Dirigent Mueller dem Publikum, der wieder mit viel Spaß den Abend moderierte. Auf das knallige Stück folgte die wunderbare, emotionale „Bacarole“ aus der Oper „Hoffmanns Erzählungen“, die mit herrlichen Harfenklängen unterlegt ist. „Ich habe Sie mitsummen gehört“, freute sich Mueller danach. Als Solisten der diesjährigen Neujahrskonzertreihe hatte Mueller den renommierten Solotrompeter Reinhold Friedrich ausgewählt, „der zurzeit berühmteste deutsche Trompeter“, erklärte der Dirigent. Reinhold Friedrich gestaltete an diesem Abend eine Auswahl herrlicher Trompetenwerke, so das Konzertstück von Willy (Vassily) Brandt - einem Sachsen, der Karriere in Russland machte – sowie von Oscar W. Böhme das temperamentvolle Stück „La Napolitaine“. Reinhold Friedrich, der seit mehr als zwanzig Jahren auf allen wichtigen Podien der Welt zu Gast ist, spielte mit einem ebenso filigranen wie strahlenden Ton und überzeugte das Publikum mit seinen temporeichen, virtuosen Läufen auf der ganzen Linie. Die Variationen für Trompete und Orchester „Karneval in Venedig“ von Jean Baptiste Arban, die dem Abend die Überschrift gaben, durften natürlich nicht fehlen. Das hochvirtuose Werk ist eine große Herausforderung für jeden Solisten, auch für Reinhold Friedrich, der seinem Ruf als souveräner Interpret allerdings vollends gerecht wurde. Was wäre ein Neujahrskonzert ohne Musik von Johann Strauss (Sohn)? Aus seinem Fundus spielte das Göttinger Symphonie Orchester unter anderem die Ouvertüre zu der Operette „Der Carneval in Rom“ und die „Carnevals-Specktakel-Quadrille“, ein walzerseliges, tänzerisches Musikvergnügen. Mit dem Walzer „Carnevalsbilder endete der unterhaltsame Abend, der den Zuhörern sicherlich den nötigen Schwung für das neue Jahr gab. Doch ohne Zugabe ließen die Bleckeder „die Göttinger“ nicht gehen. Diese setzten noch den fulminanten russischen Tanz op. 32 von Oscar W. Böhme, die temperamentvolle Champagner-Polka (mit knallenden Sektkorken) und den unverzichtbaren Radetzkymarsch oben drauf, bei dem schließlich der ganze Saal den Takt mitklatschte. Vor Beginn des Konzertes bedankte sich der Vorsitzende des Kultur- und Heimatkreis, Dr. Matthias Heckerodt, bei den Sponsoren, der Volksbank Lüneburger Heide und der VR-Stiftung der Volksbanken und Raiffeisenbanken in Norddeutschland, die seit zwanzig Jahren Garanten des Neujahrskonzertes sind. Eben so sehr sei der Verein auf Mitglieder angewiesen, so der Vorsitzende und verwies auf das abwechslungsreiche Programm, das als kommende Highlights einen kunsthistorischen Dia-Abend über Paul Gauguin und ein schottisches Folk-Konzert mit der Battlefield-Band anzubieten hat. –EP-Redaktion/swr-

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