11.03.2010

Jeetzel-Mord kommt ins Fernsehen

Am Lüneburger Landgericht wurde der Aufsehen erregende Mord verhandelt (Foto: br)

Am Lüneburger Landgericht wurde der Aufsehen erregende Mord verhandelt (Foto: br)

Lüneburg. Der Prozess schockierte ganz Deutschland. Am 01.04.2008 wurde in den späten Abendstunden der 41-jährige Thorsten L. lebend in die Jeetzel geworfen (EP berichtete). Auf einer Party in Lüchow kam es wegen zu lauter Musik zu einem Streit, bei dem Alexander S., seit Jahrzehnten Anhänger der rechten Szene, beschloss, den zweifachen Familienvater umzubringen. Seine Freundin Annabell T. versuchte ihm die Kehle durchzuschneiden, das misslang. Der 25-jährige Mario N. verpasste L. eine so genannte „Respektschelle“. Immer wieder wurde der Familienvater mit Schlägen und Tritten taktiert. Der 37-jährige S., der über 22 Eintragungen in seinem polizeilichen Führungszeugnis hat und als sehr gewaltbereit gilt, beschloss: „Ab zur Jeetzel“. Thorsten L. wurde auf einen Handkarren zum Fluss transportiert und dort ins Wasser geworfen, wo er ertrank. Sein Todeskampf dauerte 6 Minuten, das stellten die Rechtsmediziner später fest.

Am 29.09.2008 begann vor dem Lüneburger Schwurgericht der Mordprozess gegen fünf Angeklagte, darunter waren zwei junge Frauen im Alter von 14 und 15 Jahren. Diese wurden im Laufe der Hauptverhandlung vom Tatvorwurf der Beihilfe zum Mord freigesprochen. Am 27.01.2009 unternahmen die Lüneburger Richter und die Zuschauer eine Reise nach Lüchow und schauten sich die Örtlichkeiten an. Ein massives Polizeiaufgebot musste für Sicherheit sorgen.

Insgesamt brauchte die 1. Große Strafkammer unter Leitung des Vorsitzenden Richters Axel Knaack 8 Monate und 11 Tage, bis ein Urteil gesprochen werden konnte. Alexander S. wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Sein Freund Mario N. erhielt eine zehnjährige Jugendstrafe. Annabell T. wird die nächsten Jahren in einer Klinik in Südniedersachsen verbringen. Die 20-Jährige, die schwer traumatisiert ist, wird wohl nie ganz geheilt werden können. Als Kind wollte sie der eigene Vater in Köln aus dem Fenster werfen. Die Urteile gegen die drei Frauen sind rechtskräftig, die beiden männlichen Angeklagten gingen in Revision. Wann der 3. Strafsenat des Bundesgerichtshof in Karlsruhe darüber verhandelt, steht noch nicht fest. Die Öffentlichkeit nahm großen Anteil an dem Prozess, bei vielen hat er Spuren hinterlassen.

Am Sonntag, 14.03.2010, wird um 22.15 Uhr eine Dokumentation über den Mord bei Sat.1 ausgestrahlt, im Mittelpunkt stehen da die Familie von Thorsten L., die an allen Prozesstagen im Schwurgerichtssaal anwesend war, und Annabell T., deren Leben dermaßen zerrüttet ist, dass es einem die Sprache verschlägt. –EP-Redaktion/br-

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