17.11.2009

Irritation im Sturm

‚The Tempest’ von Ben Carter

‚The Tempest’ von Ben Carter

Tosterglope. Meistens ist man sich über die Richtung, in die man schaut, um ein Kunstwerk zu betrachten, einig. In der derzeitigen Ausstellung im Kunstraum Tosterglope ist das nicht so. Wer ‚The Tempest’ von Ben Carter besucht und den zweiten Raum betritt, meint sich zunächst in einem Vorführungsraum zu befinden, steht einer großen, weißen Leinwand gegenüber, auf der in regelmäßigen Abständen Schriftzüge erscheinen. Tritt man näher, um die spiegelverkehrte Schrift zu entziffern, wird man für die Nachkommenden zum kunstvollen Schattenriss, gerät selber mitten ins Objekt, wie auf einer Bühne ausgeleuchtet zwischen Leinwand und Lichtquelle.

„Das geht nur von hier“, kommentierte einer der ersten Besucher seinen Platz ganz eng an die Längswand gedrückt. Mit ‚das’ ist das Lesen gemeint. Erst wer sich umdreht, kann im Spiegel hinter dem Projektor bequem lesen, was Shakespeare in einem seiner letzten Werke ‚The tempest’ (deutsch: Der Sturm) seine Protagonisten Caliban oder Prospero in kurzen Abschnitten sagen lässt. Dicht an die Mauer gestellt, kann man sich dem entziehen, was das Kunstwerk von Ben Carter durch diesen Spiegel sonst schafft: Dass man sich beim Lesen einmal selber zusieht. Der normale Kunstbetrachter bleibt wohl doch lieber selbst inkognito. Wer länger im Raum bleibt - und es lohnt sich - verweilt am Ende doch an besagter Wand.

Klarer sind die Betrachtungsrichtungen im ersten von dem 27-jährigen Künstler Ben Carter ausgestalteten Ausstellungsraum. Doch auch bei seinen bildnerischen Arbeiten ist Irritation, das Spiel mit dem Sichtbaren und Unsichtbaren, Programm: Erzeugen die packpapierbraunen Rauten, die über schwarz-weiße Zeitungsfotos gelegt sind, optisch eher Löcher im Bild, verdecken sie Wesentliches oder sind sie selber ein Bild?

Ben Carter ist gebürtiger Engländer, lebt zur Zeit in Berlin und arbeitet als Übersetzter, Autor und Künstler. Seine Ausstellung im Kunstraum Tosterglope ist noch bis zum 29. November zu sehen. –EP-Redaktion/lh-

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