29.04.2010

„Ich hab jetzt einen Gehwagen bekommen“

Landrat Manfred Nahrstedt kam persönlich, um seiner „Freundin aus Bleckede“, Margarete Reinsch, zum 100. Geburtstag zu gratulieren.

Landrat Manfred Nahrstedt kam persönlich, um seiner „Freundin aus Bleckede“, Margarete Reinsch, zum 100. Geburtstag zu gratulieren.

Bleckede. So viel Trubel wie am vergangenen Dienstag hatte Margarete Reinsch schon lange nicht mehr um sich herum. Eine schöne Abwechslung zum Alltag im Hans-A.-Kampmann-Haus der Albert-Schweitzer-Altenhilfe, in dem sie seit einem Sturz vor 5 Jahren lebt.

Aber schließlich ist ein 100. Geburtstag auch etwas ganz Besonderes und verdient dementsprechend auch eine gewisse Anerkennung. Diese wurde ihr auch durch eine Vielzahl an Besuchern, Briefen und Blumensträußen zu ihrem Jubiläum zuteil. Das alles musste aber vorerst warten, denn die rüstige Senioren musste erst einmal ihre Brille finden - manche Probleme ändern sich eben auch im hohen Alter nicht.

In einem geschmückten Nebenzimmer wurde die Jubilarin dann von Familie, Freunden und Gratulanten in Empfang genommen. Anette Wölk, Leiterin der Albert-Schweitzer-Altenhilfe, überreichte „einen Arm voll Blumen“ und die besten Wünsche zu ihrem Ehrentag. Auch Pastor Jens-Peter Müller war gekommen, um zu gratulieren und den Segen Gottes zu überbringen. Er kennt die Seniorin seit seiner Kindheit und Margarete Reinsch erzählt oft voller Stolz, dass sie ihn damals quasi „großgezogen“ hat.

Für Bürgermeister Jens Böther war der Besuch eine Premiere: Zum ersten Mal konnte er auf einem 100. Geburtstag die Glückwünsche der Stadt Bleckede überbringen.

In die Schar der Gratulanten reihte sich auch Landrat Manfred Nahrstedt ein. „Mein Bester“, wie ihn Margarete Reinsch liebevoll begrüßte. Die beiden kennen sich bereits seit 5 Jahren, aus der Zeit als die Seniorin noch in Lüneburg lebte. „Er hat mir immer Geld für das Busticket gegeben“, erinnerte sich die Jubilarin mit einem Lächeln. Auf der Bürgersprechstunde in Bleckede vor einem Jahr hatte der Landrat Margarete Reinsch versprochen, sie anlässlich ihres 100. Geburtstages zu besuchen. Dieses Versprechen löste er nun ein und überbrachte „seiner Freundin aus Bleckede“ außerdem die besten Glückwünsche von Kreistag und Kreisverwaltung, einen Blumenstrauß und das neue, mit vielen Bildern bestückte „Landkreis-Buch“.

Die beiden machten insgeheim auch schon ein neues Datum aus, an dem sie sich als nächstes treffen würden – verraten wurde allerdings nichts.

Margarete Reinsch genoss sichtlich die Aufmerksamkeit um ihre Person und nutzte die Gelegenheit, um allen Anwesenden einige ihrer Lebensgeschichten und -weisheiten mit auf den Weg zu geben. Schließlich kann die 100-Jährige auf ein bewegtes Leben zurückblicken: 1910 in Pyritz in Pommern geboren, musste Margarete Reinsch mit ihrer Tochter während des Zweiten Weltkrieges vor den Russen fliehen. Hinter der Elbe angekommen, fanden die beiden Zuflucht in einer Scheune in Göddingen. 1948 kehrte dann ihr Ehemann aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück und die Familie ließ sich in Lüneburg nieder. „Meine Mutter hatte dort als Schneiderin gearbeitet und mein Vater die Kleider verkauft“, erzählte Tochter Mariette Grieshammer, die in Hameln als Jogalehrerin tätig ist.

Sie freut sich vor allem, dass ihre Mutter auch in diesem hohen Alter sowohl körperlich als auch mental noch so fit ist. Natürlich habe sie auch die üblichen Alterserscheinungen, wie Arthrose, die der unternehmungslustigen Senioren nicht mehr alles erlauben würden - wie zum Beispiel die Busfahrt nach Lüneburg, wo sie gerne ihre Zeit verbracht habe.

Es habe sich eben doch nach 100 Lebensjahren einiges geändert, das bemerkte besonders Margarete Reinsch selbst: „Ich habe jetzt einen Gehwagen bekommen!“, erzählte die im Herzen jung gebliebene entrüstet. –EP-Redaktion/cb-

Nachrichten aus dem Landkreis Lüneburg und der Elbtalaue