27.04.2010

Größte Proteste in der Geschichte der Anti-AKW-Bewegung

Die Menschenkette vor dem Atomkraftwerk Krümmel.                      Foto: Andreas Conradt, Publixviewing

Die Menschenkette vor dem Atomkraftwerk Krümmel. Foto: Andreas Conradt, Publixviewing

Die Organisatoren der 120 Kilometer langen Menschenkette von Brunsbüttel bis Krümmel konnten eine erste positive Bilanz der Proteste ziehen. Am Samstag hatten sich 120.000 Menschen an der „Langstreckendemonstration“ in Schleswig-Holstein und Hamburg beteiligt. Gleichzeitig haben 20.000 Atomkraftgegner das hessische AKW Biblis umzingelt und 7.000 Menschen demonstrierten am Atommüll-Zwischenlager im nordrhein-westfälischen Ahaus.

Thorben Becker, Sprecher des Trägerkreises: „147.000 Menschen sind gegen Atomenergie auf die Straße gegangen. Das sind die größten Proteste, die es in der langen Geschichte der Anti-AKW-Bewegung in der Bundesrepublik je gegeben hat. Uns ist es gelungen, die atomkritische Stimmung in der Bevölkerung eindrucksvoll auf die Straße zu bringen.“

Jochen Stay, ebenfalls Sprecher des Trägerkreises: „Die Bundesregierung muss aus dem Protest die Konsequenzen ziehen. Der Weiterbetrieb der Atomkraftwerke ist politisch nicht durchsetzbar. Sollte die schwarz-gelbe Koalition an ihrem Atomkurs festhalten, werden die Proteste sich weiter steigern. Da ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. Denn wir sind nach diesem Tag gestärkt und hochmotiviert.“

Heute, Montag, werden die Initiatoren der Menschenkette auf einer Pressekonferenz in Berlin eine politische Bilanz der Proteste ziehen, Konsequenzen für die Bundespolitik benennen und einen Ausblick auf die in den kommenden Monaten bevorstehende gesellschaftliche Auseinandersetzung um die Atompolitik geben.

 

Die BI Umweltschutz aus Lüchow-Dannenberg waren zu einem dreitägigen Treck, mit einem zusätzlichen Fahrräder- und Treckerkonvoi und zahlreichen Bussen nach Krümmel aufgebrochen und haben dort am AKW-Gelände die Demonstration und Kundgebung mit geprägt. Kritik an der parteipolitischen Einflussnahme der Menschen- und Aktionskette wird laut: „Es wäre völlig falsch, den massenhaften Protest dahingehend umzumünzen, dass die Hunderttausend angesichts der Pläne von Schwarz-Gelb, die Laufzeiten der Atomkraftwerke zu verlängern, den rot-grünen "Atomkompromiss" verteidigen wollten. Dieser Vertrag mit den Konzernvertretern ist uns ein Dorn im Auge, denn Rot-Grün hat seinerzeit den störungsfreien Betrieb der Atomkraftwerke garantiert und sich sogar die angebliche "Eignungshöffigkeit" von Gorleben in den Vertragstext hinein diktieren lassen. Wir bleiben als die Sofortisten treibende Kraft in der Atomausstiegsdebatte und lassen uns nicht an die Kette legen", kommentiert die BI.

 

Die SPD-Landtagsfraktion Niedersachsen, derzeit auf Klausurtagung in Lüneburg, hatte ebenfalls am Samstag an der Anti-Atomkraft-Menschenkette zwischen den Atomkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel mit einem eigenen, fünf Meter langen Transparent teilgenommen. „Der Ausstieg aus der Atomkraft ist ohne Alternative. Ich freue mich, dass die Aktion ein voller Erfolg war - ein unübersehbares Signal für eine zukunftsorientierte Energieversorgung und gegen eine rückwärtsgewandte Atompolitik von Schwarz-Gelb“, äußerte sich die Lüneburger Landtagsabgeordnete Andrea Schröder-Ehlers, stellvertretende umweltpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion. Die Landesparlamentarier hatten sich in der Nähe von Hamburg-Bergedorf in die 120-Kilometer-Menschenkette eingereiht. -EP-Redaktion/wh-

Nachrichten aus dem Landkreis Lüneburg und der Elbtalaue