Gedenktafel am Heimatmuseum wieder aufgestellt

Freuen sich über die neue Gedenktafel: linke Bildseite, John Cramer, Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge, Alt-Bürgermeister Arnfried Pischke, Amtsnachfolger Bernd Chudzinski mit Schülern der Oberschule Dahlenburg und rechts, Florian Rusch, Jungschützen Dahlenburg, Ratsmitglied Jens-Peter Finck mit Schülerinnen der Oberschule Dahlenburg.
Dahlenburg. „Ich habe es mir ‚auf die Fahne geschrieben‘, noch in meiner Amtszeit als Dahlenburger Bürgermeister die von Vandalen beschmierte Gedenktafel für die in der NS-Zeit in Gienau zu Tode gekommenen Kinder wieder zu erneuern. Obwohl ich seit wenigen Tagen nicht mehr im Amt bin, habe ich mein Versprechen eingehalten und mit Hilfe der Jungschützen und mit Unterstützung von Dahlenburger Bürgern die Gedenktafel wieder an ihrem Standplatz am Heimatmuseum aufgestellt. Ich danke ganz besonders den Jungschützen Dahlenburg und Florian Rusch, den Schülern der Dahlenburger Oberschule, Hans-Wolfgang Lesch, Dahlenburger Betrieben und den Ratsfraktionen im Samtgemeinderat für ihre Sammelaktionen und für die geleisteten Geldspenden. Mehr als 400 Euro hatten allein die Jungschützen gesammelt und weitere Spenden haben die Neugestaltung der Gedenktafel möglich gemacht. Soweit der Gesamtspendenbetrag die Kosten für die Neugestaltung der Gedenktafel übersteigen sollte, wird das restliche Geld dem Dahlenburger Museumsverein für seine Arbeit zur Verfügung gestellt“, betonte Arnfried Pischke. „Die Gedenktafel wurde vor drei Jahren auf Initiative des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge aufgestellt, nach den Beschmierungen im Sommer von einer Fachfirma in Berlin erneuert. Sie steht jetzt wieder als mahnende Erinnerung an die verstorbenen Kinder von osteuropäischen Zwangsarbeiterinnen während der NS-Zeit“, sagte Dahlenburgs ehemaliger Bürgermeister Arnfried Pischke während der kleinen Feierstunde am Dahlenburger Heimatmuseum.
Zeitzeugin kann sich an die Ereignisse von Gienau erinnern
Zunächst hatte es Irritationen gegeben, weshalb die Schändung der Gedenktafel nicht öffentlich gemacht wurde. Dahlenburgs Samtgemeindebürgermeister Joachim Dassinger erklärte hierzu in der letzten Ratssitzung, dass man im Hinblick auf die positive Darstellung der Samtgemeinde Dahlenburg mit den Göhrdefestspielen, der Göhrdeschlacht, dem Martinimarkt und der Kulturwoche keine negativen ‚Schlagzeilen‘ machen und sowohl den Vandalen keine öffentliche Aufmerksamkeit zukommen und dadurch auch keine Nachahmer animieren wollte (EZ berichtete). John Cramer, Schulreferent des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge, machte deutlich, dass man solche Anschläge, die immer wieder auf Friedhöfen und an Gedenkstätten vorkommen, wohl hinnehmen muss. „Auf keinen Fall darf man deshalb resignieren. Es ist wichtig, die Erinnerungen wach zu halten, und man darf sich nicht durch solche Taten entmutigen lassen“, sagte Cramer. Am Rande der kleinen Feierstunde wurde bekannt, dass die Dahlenburgerin Anita Stute (85) als 16-Jährige die Ereignisse um die Kinderunterbringung und den Tod vieler Kleinkinder von Zwangsarbeiterinnen in Gienau als Zeitzeugin miterlebt hat. „Ich kann mich noch sehr genau erinnern, als eine junge polnische Mutter in Sommerbeck die Nachricht erhielt, dass ihr Kind an ‚verdorbener Milch‘ in Gienau verstorben sei. Die Verursacher der Schmierereien können nicht verstehen und nicht nachvollziehen, welches Leid die Menschen seinerzeit ertragen mussten und wie eine Mutter leidet, wenn sie die Nachricht erhält, dass ihr Kind verstorben ist“, sagte Anita Stute bedauernd. -EZ-Redaktion/jw-
