Ein „Vergissmeinnicht“ für Bleckede

Künstler Johannes Kimstedt (Mitte) präsentiert ein Farbmuster des Gedenksteins, der künftig im Bleckeder Schlosspark stehen soll. Bürgermeister Jens Böther (l.) und Dr. Lukas Jockel, Sprecher des Arbeitskreises, sind mit der Wahl sehr zufrieden.
Bleckede. Am 19. September 2010 soll es soweit sein: Das Denkmal für die 12 im zweiten Weltkrieg (in der Zeit zwischen 1940 und 1944) ermordeten Bleckeder Juden soll feierlich eingeweiht werden. Hierbei wird es sich um einen Gedenkstein aus kobaltblauem Beton handeln - das hat jetzt der Bleckeder Kulturausschuss auf seiner Sitzung am vergangenen Montag einstimmig und endgültig entschieden.
Die Idee, den ermordeten Bleckeder Juden ein Denkmal zu setzen, war bereits während der Vorbereitungen zur 800-Jahrfeier der Stadt entstanden, allerdings konnte der Plan im Jubiläumsjahr 2009 nicht mehr umgesetzt werden. In der Ratssitzung im Juni 2009 wurde dann beschlossen, die Gedenkstätte im Bleckeder Schlosspark einzurichten. Man entschied außerdem, das Konzept des Künstlers Johannes Kimstedt aus Tosterglope umzusetzen, der anschließend mit der Herstellung und Lieferung des Gedenksteines beauftragt wurde.
Mittlerweile haben die Vorbereitungsarbeiten für die Gedenkstätte begonnen und auf der Sitzung des Partnerschafts-, Kultur- und Touristikausschusses galt es nun endgültig über die letzten gestalterischen Details des Gedenksteines zu entscheiden.
Johannes Kimstedt berichtete den Ausschussmitgliedern und anwesenden Besuchern im Sitzungssaal des Rathauses von den bisherigen Fortschritten des Denkmals und präsentierte ein Farbmuster des bewusst künstlich wirkenden Betonsteins. Mit einer „bestmöglichen Blaufärbung“, so Kimstedt, solle einerseits die Stadt Bleckede repräsentiert und gleichzeitig eine „Friedhofs-Schwere“ unter den Bäumen im Schlosspark verhindert werden. Dies sollen auch die „eingedrückten“ Außenseiten des Gedenksteins bewirken. Die Oberseite des Steins werde außerdem leicht geneigt sein, damit das Regenwasser problemlos ablaufen könne. Die Inschrift für den Zwei-Tonnen-Betonklotz, die lauten werde: „Wir gedenken der Juden Bleckedes - ermordet 1940 bis 1944 in Auschwitz, Sobibor, Flossenbürg, Theresienstadt und Riga.“ - sei bereits fertig gestellt. Sie werde nicht - passend zum Bleckede-Blau - in Gelb gehalten, sondern aus ästhetischen Gründen in den Beton eingraviert und somit „farblos“.
Da der Sockel im Schlosspark ebenfalls fertig ist, kann der Guss für den 50 x 95 x 175 cm-Stein noch im Laufe dieser Woche durchgeführt werden.
Der Ausschuss, dessen Vorsitz Els-Jutta Fischer stellvertretend für Christiane Kröning führte, stimmte einhellig für die blaue Farbe des Gedenksteines und einen permanenten Graffiti-Schutz, der zwar leicht zu reinigen ist, jedoch eine eventuelle, spätere Farbänderung nicht mehr möglich macht. Kimstedt betonte außerdem, dass vom Hersteller der Farbe keine Garantie dafür gegeben werden könne, dass das satte Blau nicht irgendwann einmal ausbleichen werde.
Eine Erinnerung für die Nachwelt hinterlassen
Neu zur Diskussion wurde von Ausschussmitglied Manfred Fischer (SPD) das Eingießen einer Dokumentenhülse in die Gedenkstätte gestellt. „So etwas hält ein paar 100 Jahre und wenn das Denkmal irgendwann einmal abgerissen werden sollte, bleibt etwas für die spätere Generation zurück“, erklärte Fischer.
Johannes Kimstedt berichtete in dem Zusammenhang von einem Vorschlag, der ihm unterbreitet wurde, das alte Testament - als „Versöhnungszeichen“ und Basis von Christen und Juden - mit in den Stein zu gießen. Diese Idee wurde aber von der Mehrheit der Ausschussmitglieder als sehr „kritisch“ angesehen. „Das würde dem Ganzen eine völlig neue Botschaft geben“, gab Bürgermeister Jens Böther zu bedenken.
Der Ausschuss entschied schließlich einstimmig, ausschließlich zeitgeschichtliche Dokumente in einer Kupferhülse mit in den Gedenkstein zu geben - der Sockel sei schließlich schon fertig gestellt. Johannes Kimstedt wird hierfür eine Aussparung im Beton lassen, in der die mit Ölpapier umwickelte Kupferhülse dann nachträglich eingelassen und mit Drähten festgemacht wird. Was sich in dem Behältnis befinden wird, wurde noch nicht entschieden. Jedoch gab es Vorschläge, die Protokolle der Ausschusssitzungen, die vom Werdegang der Gedenkstätte berichten, die Zeitung vom Tag der Einweihung oder Geldstücke darin einzuschließen.
Lange Zeit zum Überlegen bleibt nicht, denn am 19. September soll das Denkmal im feierlichen Rahmen der Öffentlichkeit übergeben werden. Geplant sei, so berichtete der Sprecher des Arbeitskreises, Dr. Lukas Jockel, der Auftritt eines Musikerduos aus Hamburg und ein „geistiger Teil“, für den extra ein Rabbiner aus Braunschweig anreisen wird, und gemeinsam mit Superintendent Christian Cordes, Pastor Jens Peter Müller und Pfarrer Peter Klemm den ermordeten Juden gedenken wird. –EP-Redaktion/cb
