Ein Festival der Neuen Klänge
Tosterglope. Wieder einmal trafen sich über Pfingsten junge Nachwuchsmusiker und -künstler mit Profis im Kunstraum Tosterglope zu einem intensiven Probenwochenende. Am Pfingstmontag schließlich zeigten sie in einem öffentlichen Konzert, was sie in den letzten Monaten an der Musikschule Lüneburg, im Lessing-Gymnasium Uelzen und im Kunstraum Tosterglope erarbeitet und nun zusammengefügt hatten. Das ‚Pfingstfestivalchen’ wie sich dieses Ereignis, das zum 4. Male stattfand, nennt, erfreut sich immer größer werdender Beachtung. Das bestätigte auch der stellvertretende Bürgermeister der Gemeinde Stefan Betzenberger, der Grüße vom Gemeinderat übermittelte. Er habe seit der Eröffnung des ‚Kunstraum Tosterglope’ vor acht Jahren nach anfänglicher Zurückhaltung eine stetig zunehmende Akzeptanz in der Bevölkerung festgestellt, manche Bürger seien sogar stolz auf diese Einrichtung, so der Ratsherr.
So viele Gäste wie am letzten Sonntag hatte der Kunstraum noch nie gesehen, jedenfalls nicht im Innenraum, aber das Wetter ließ an diesem Vormittag einfach keine Außenveranstaltung zu. Bevor die Performance also beginnen konnte, mussten alle Besucher zusammenrücken und weitere Stühle wurden aus dem Garten hereingetragen. Johannes Kimstedt freute sich über die große Resonanz und begrüßte das Publikum und alle Teilnehmer aus Bleckede, Barskamp und Tosterglope, aus Uelzen, Lüneburg, Hannover und Köln. Ein besonderer Dank galt Ulla Grümmer, Joachim Heintz, Mariana Madeira und Raymond Kaczinski für ihre künstlerische Begleitung an diesem Wochenende. Im Mittelpunkt des Programms stand eine Aufführung des Ensemble baUsTeLLe KUNSTRAUM unter der Leitung von Stefanie Schmoeckel, bei der auch Schüler/innen des Gymnasium Bleckede mitwirkten. Bei ihrem als ‚Karneval der Baustelle’ betitelten Stück näherten sich die jungen Künstler dem ‚Karneval der Tiere’ von Camille Saint-Saens auf ganz unterschiedliche Weise an: musikalisch mit Improvisationen über bekannte Karnevalsthemen, durch Bewegung und Spiel und durch malerische Mittel. ‚Having a ball’ von Matthias Kaul gab die Idee zu einem witzigen Spiel mit Blechdosen und einem Ball, das parallel zu der Musik zu verfolgen war. Im Hintergrund der Performance lief ein Film, in dem Soffie Beu die Entstehungsgeschichte der großformatigen Farblandschaften dokumentierte, die an diesem Wochenende entstanden sind. Die jungen Akteure waren mit viel Spielfreude, Eifer und Disziplin bei der Sache und bekamen langen Applaus. So hat man den Karneval der Tiere bestimmt noch nie erlebt!
Das Gastensemble von der Lüneburger Musikschule unter der Leitung von Kathi Kelsh präsentierte die Vertonung des Märchens von Eleni Granitza, ‚Luisa und die goldenen Muschel’. Die Mitwirkenden setzten ihre Instrumente sehr kreativ ein, um die verschiedenen Geräusche und Klangbilder zu erzeugen, auch ihre Stimmen kamen zum Einsatz - eine sehr schöne Arbeit, an der vor allem die jüngsten Besucher viel Freude hatten! Der Göttinger Schlagzeuger Raymond Kaczinski hat einen Tisch mit verschiedenen Klanginstrumenten gebaut, die elektronisch verstärkt werden. An diesem Wochenende hatte er daran mit Kindern und Jugendlichen zwei seiner Stücke einstudiert: ‚Urwald 1’ und ‚Urwald 2’. Verschiedene Metallgegenstände, Spiralen, Röhren, Tasten und Kämme wurden nach den Vorgaben einer graphischen Partitur geklopft, gerieben, gezupft oder es wurde mit einem Geigenbogen darüber gestrichen, eine Cajun-Gruppe begleitete das Ganze rhythmisch. Eine spannende Angelegenheit, die viel Raum für eigene Fantasien ließ. Die Stimme und die Betonung der sinnfreien Worte stammten im wesentlich aus dem Gedicht ‚Wolken’ von Hugo Ball, das von Schülerinnen des Lessing-Gymnasiums umgesetzt wurde. Langer Applaus beschloss das spannende Konzert, das wieder einmal neue Zugänge zu Neuer Musik aufgezeigt hatte. –EP-Redaktion/swr-

