Die letzten Schrauben sind die schwersten

Helferparty in der Fahrzeughalle des neuen Feuerwehrgerätehauses in Ahndorf (v.l.n.r.): Ullrich Rambusch, Wolfgang Prause, Franz-Josef Kamp, Ute Kerkering-Kamp, Jens Rosseburg und Udo Staacke
Ahndorf. Ausstrahlung hat es. Die technische Bauabnahme war Ende November, Gläser stehen im Schrank und in den Sanitärbereichen flackern liebevoll geschmückt weihnachtliche Windlichter – man muss schon etwas genauer hinschauen, um herauszubekommen, was dem neuen Feuerwehrgerätehaus in Ahndorf eigentlich noch fehlt. Jalousien für die Durchreiche, Gardinen für den Schulungsraum und eine blickdichte Scheibe sind kleine Defizite, auf die Boitzes Ortsbrandmeister Jens Rosseburg beim Rundgang durch das neue Feuerwehrgerätehaus in Ahndorf aufmerksam macht und es fehlen noch hübsche Türschilder für ‚Kleine Königstiger’ und ‚Große Königstigerinnen’.
Keine Mittel zu feiern
Das neue Feuerwehrgerätehaus beherbergt die beiden Ortswehren Seedorf und Boitze mit ihrer Ausrüstung, die Ahndorfer Schützen dürfen es nutzen, ein kleines Gemeindebüro wird eingerichtet, das Gerätehaus soll sich zu einer Art Dörfergemeinschaftshaus entwickeln.
Am 2. September 06 erfolgte der erste Spatenstich, am letzten Freitag hatte die Gemeinde Boitze als (Noch-)Eigentümerin zu einer ‚Helferparty’ geladen, denn, so Boitzes Bürgermeister Udo Staacke, die Samtgemeinde habe wegen fehlender Mittel eine ‚Übernahmefeier’ abgelehnt. „Beschämend“, fand Staacke, angesichts der 6.000 ehrenamtlich geleisteten Arbeitsstunden (entspricht 750 Arbeitstagen), die in diesem Bauwerk stecken.
In der 110 Quadratmeter großen Fahrzeughalle mit den knallroten Toren begrüßte Staacke den stellvertretenden SG-Bürgermeister Franz-Josef Kamp, den Feuerschutzausschussvorsitzenden Ullrich Rambusch, Architektin Ute Kerkering-Kamp, den früheren SG-Bürgermeister Wolfgang Prause, Vertreter von der Volksbank und dem E-Werk, den fast vollständig erschienenen Boitzer Gemeinderat, zahlreiche Feuerwehrleute der Ortswehr Boitze - nur die Plätze der Kameradinnen und Kameraden aus Seedorf blieben leer. Dort war bekanntlich eine ‚kleine Lösung’ nur für die Seedorfer Wehr vom jetzigen Ortsbrandmeister Reiner Nordbrink vorgestellt und favorisiert worden.
100.000 ausgeblendete Euro
Auslöser des Projekts Ahndorf, so der Gemeindebürgermeister in seiner Rückschau, war der teilweise erschütternde Zustand, in dem, laut einer Überprüfung der Polizeidirektion Lüneburg (Mai 05), Gerätehäuser und Ausrüstung der Dahlenburger Ortswehren waren. Für Boitze und Seedorf wurde ein neuer gemeinsamer Standort in Ahndorf empfohlen. Eile war geboten. Der damalige SG-Bürgermeister Prause besprach sich mit den Kommandos, in den Haushalt 2006 wurden einstimmig 150.000 Euro eingestellt – mehr ging nicht. Auch wenn die Architektin darauf verwies, dass für die angestrebte Lösung mit 250.000 Euro zuzüglich Eigenleistung in Höhe von etwa 100.000 Euro zu rechnen sei. Sie sollte Recht behalten, der „ausgeblendete Betrag“ musste über Haushaltsnachträge aufgebracht werden. Ein nach der Kommunalwahl 06, aber auch nach Baubeginn von der neuen Verwaltungsspitze veranlasster Baustopp sei zwar nicht rechtens, aber hinderlich gewesen. Staacke machte das mangelnde Engagement des Bauherren (der Samtgemeinde) für die insgesamt recht lange Bauzeit mitverantwortlich und verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, mit der Samtgemeinde zu einer allseits befriedigenden Nutzungsvereinbarung zu kommen.
Pommoisseler Modell
Sogar der Petitionsausschuss habe sich mit dem Bau beschäftigen müssen, berichtete Wolfgang Prause, in dessen Amtszeit der Baubeginn fiel. Laut einer Eingabe solle das Gerätehaus in Ahndorf gegen Interessen der Floriangruppen verstoßen, wunderte sich der frühere SG-Bürgermeister und verwies darauf, dass sich der Nachwuchs in Ahndorf endlich in angemessener baulicher Umgebung aufhalten könne. Noch einmal betonte Prause, dass der damals alternative Vorschlag, das Seedorfer Gerätehaus normgerecht auszubauen, keine Lösung für das Problem in Boitze darstellte und damit nicht zielführend gewesen wäre. Prause hofft, dass das Haus in Ahndorf nach dem ‚Pommoisseler Modell’ als Dorfgemeinschaftshaus verstanden werde. Die Bauzeit in Pommoissel habe übrigens ebenfalls 3 Jahre betragen und dort seien sogar über 8.000 Stunden ehrenamtlicher Arbeit insbesondere in die ‚Alte Schmiede’ investiert worden.
Ihr könnt verdammt stolz sein
„Dieser Weg wird steinig und schwer“, die Zeile eines Liedes von Xavier Naidoo verfolgte Ute Kerkering-Kamp, seitdem sie sich mit diesem Projekt befasste, gestand die leidenschaftliche Energiesparerin. Nur vier Gewerke seien von Fachfirmen erstellt worden, alles andere haben die Laien und Könner vor Ort gebaut. Fast jeden Samstag war sie selbst auf der Baustelle, hat über Fugen getüftelt und viele sehr praktische Erkenntnisse über die Größe von Schrauben, Abstützhöhen von Herren oder Ablagen für Damenhandtaschen gelernt und dass Handwerker auch Künstler und Männer auch empfindlich sind.
Entstanden sei ein Prototyp von Bauwerk, eine architektonische ‚Eier legende Wollmilchsau’, die in einzigartiger Weise Holzrahmenkonstruktion, Metall- und Massivbauweise kombiniere und über ein „einmalig gutes Wärmedämmungssystem“ verfüge. Ein niedriger Herstellungspreis sei nur eine Seite der Medaille, die Folgekosten seien ebenso bedeutend. Die Architektin dankte Politik, Verwaltung, Firmen, Unterstützern, Schützenverein und den Feuerwehren, insbesondere auch Reiner Nordbrink, der trotz all seiner Kritik konstruktiv mitgewirkt habe. Viele Wege mögen in dieses Haus führen, wünschte sie, denn „dieses Haus ist mehr, Ihr könnt verdammt stolz darauf sein.“
Aufgerüttelt?
Das fällt nach all den Spannungen offenbar gar nicht so leicht. Die letzten Handgriffe seien vielen schon recht schwer gefallen, hört man hinter vorgehaltener Hand und mancher scheint noch nicht recht fassen zu können, dass diese ‚unendliche Geschichte’ nun doch vorbei sein soll. Vielleicht hilft der kleine ‚Rüttler’ dabei, sich aus der angespannten Betäubung zu lösen - eines der vielen Geschenke, die ‚Bauleiter’ Jens Rosseburg stellvertretend in Empfang nehmen durfte. Wolfgang Szerzant, bewusst in Feuerwehrblau überreichte den Minirüttler mit grünem Schützendank, schließlich hatte Rosseburg immer darauf bestanden: „Das ist mein Gerät!“. –EP-Redaktion/sn-
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Rüttler für Rosseburg: Schütze und Feuerwehrkamerad Wolfgang Szerzant (l.) bedankt sich bei Boitzes Ortsbrandmeister .
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Helferparty in der Fahrzeughalle des neuen Feuerwehrgerätehauses in Ahndorf (v.l.n.r.): Ullrich Rambusch, Wolfgang Prause, Franz-Josef Kamp, Ute Kerkering-Kamp, Jens Rosseburg und Udo Staacke
