Die ‚fetten Jahre’ sind vorbei...

Bestätigt: Norbert Bauch (Schriftführer), Stefanie Schmoeckel (musikalische Leitung), Monika Sierig (2. Vorsitzende), Dr. Lukas Jockel (1. Vorsitzender), Silke Beu (Kassenwartin), Johannes Kimstedt (künstlerische Leitung)
Tosterglope. Einige Interessierte mehr als erwartet waren nach dem Wintereinbruch der Einladung ins verschneite Tosterglope zur Mitgliederversammlung des Kunstraumes gefolgt. Schließlich ist dort oft alles anders und vieles neu. So hatte man sich im letzten Jahr darauf verständigt, zwei Mitgliederversammlungen pro Jahr abzuhalten. Jeweils im Frühjahr wird das zukünftige Programm umrissen und die Regularien werden abgearbeitet zu denen die nach neuer Zeitrechnung ‚vorgezogenen’ Vorstandswahlen gehörten.
Kasse ist nicht immer gleich Kasse wurde schnell klar - Mitglieder, der Steuerberater und Kassenprüfer sowie das Finanzamt haben zuweilen differierende Vorstellungen von Saldenbildung, Gewinnen und Verlusten. Sehr genau ließen sich die Mitglieder einzelne Posten erläutern und hinterfragten Positionen bis hin zu den erstaunlichen 98 Cent Zinseinnahmen. Auch wenn sich nicht jedem jedes Detail der Zahlenkolonnen erschloss, freute sich der Vorsitzende Dr. Lukas Jockel doch über den großen Anteil der Honorare und Aufwandsentschädigungen für Künstler, die deutlich über die Hälfte der Ausgaben ausmachten: „So soll es sein, das ist genau richtig!“
Das kann aber nicht immer so weitergehen, weiß auch der künstlerische Leiter, Johannes Kimstedt. 2009 war ein tolles Jahr, er konnte Fördermittel auch und gerade für Kunstvermittlungsprojekte einwerben. Zahlreiche Anträge, die immer wieder überarbeitet und ergänzt werden wollten, zeitigten Erfolge, nicht nur die öffentlichen und bekannten Stiftungen bedachten Tosterglope. Und immerhin wurde der Kunstraum gerade für den ART Cologne Preis nominiert (EP berichtete).
Zukünftig wird man ein bisschen ‚abspecken’ müssen. Manche Fördertöpfe leeren sich und auch andere Vereine wollen von den Stiftungen bedacht werden, sieht Kimstedt ein. Eintrittsgelder können nicht unendlich hochgeschraubt werden, ebenso wenig wie die Kursgebühren, schon jetzt eine nicht unbedeutende Stütze der Kunstraumkasse, und die Mitglieder gehören bereits zu den fleißigsten Spendern.
So ausführlich informiert entlastete die Versammlung den Vorstand, der geschlossen für weitere zwei Jahre kandidierte und bei eigener Enthaltung ohne Gegenstimme wiedergewählt wurde. Kassenwartin Silke Beu wurde ebenso in ihrem Amt bestätigt wie Schriftführer Norbert Bauch.
Das ist doch keine Kunst!
Ein spektakuläres ‚Pfingstfestivalchen’, viele musikalische Arbeiter auf der ‚Baustelle’, ein tolles, aber enttäuschend besuchtes Konzert mit ‚Et la Luna’ - jährlich ist vielleicht gefährlich oder sind 30 Jazzfans für Tosterglope sogar gut? - eine begeisternde ‚Amsel’ ... Rückschauen wollte man per Beschluss unterlassen („dauert zu lange“) und leitete zu den Aussichten auf das bereits angebrochene Jahr über. Die Kunstvermittlungsprojekte gehen weiter, ab sofort sei mit ‚Neulandungen’ und Überraschungspaketen von der ‚Ambulanz’ (elastische Verbindungen können mobil Erste Kulturhilfe leisten) zu rechnen.
So ist ab dem morgigen Freitag (12. bis 18. März) die inzwischen berühmte ‚Rote Kiste’ wieder am Gymnasium Bleckede zu bestaunen. ‚Das ist doch keine Kunst! Das kann ich auch.’ Nur zu: Der Foto- und Kurzfilmwettbewerb im Rahmen der ‚Ambulanz’ ist eröffnet, Abgabetermin ist der 30. September 2010. Maximal zwei Fotos auf Papier je Teilnehmer oder ein Film auf DVD bis sieben Minuten Länge können eingereicht werden. Gewertet werden jeweils Kinder und Jugendliche von 10 bis 15 Jahren und Erwachsene ab 16 Jahren sowie separat die Kunstraummitglieder. Jeder, der seinen Wohnsitz im Landkreis Lüneburg oder angrenzenden Landkreisen hat, kann sich beim Kunstraum bewerben, auch Gruppen sind willkommen. Thema ist die Frage, ob Kunst nur deswegen keine Kunst mehr ist, weil ‚ich’ das auch kann.
Ein bisschen verschoben und gestrichen wird im Veranstaltungsprogramm, das am 30. April mit einer Vernissage ‚Videoinstallationen von Anna Werkmeister’ beginnt, dazu gibt es ein Cellokonzert. Friedrich Gauwerky spielt Werke von J.S. Bach bis Enno Poppe, der - auch die Kunstwelt ist ein Dorf - im September in Tosterglope ein Konzert geben will.
Kammertanz oder Versorgung mit Worten
Während sich manche Mitglieder mehr ‚gesprochenes Wort’ im Programm wünschen, gern kombiniert mit Musik, wurde der ‚Tanz’ als Nischenprodukt in Norddeutschland ausgemacht. Die Räume reichen zumindest für „Kammertanz“. Selbstverständnisfragen schlossen sich an: Ist der Kunstraum ein Dienstleister, der seine Mitglieder mit einem ‚All-Inclusive’-Kulturpaket zu versorgen hat, oder hat er eine Verantwortung für das kulturelle Angebot in der Region und sucht sich Schwerpunkte auch dort, wo Mangel herrscht? Kann jeder Kunstverein alle Bedürfnisse abdecken oder ist Spezialisierung sinnvoll?
Diskussionsstoff für die Mitgliederversammlung im September, auf der sich die „Kultur-Keimzelle in der Elbmarsch“ eher perspektivisch austauschen will, ist jedenfalls gegeben, dann will man sich möglicherweise auch der Parteien-Kultur widmen und den Kunstprofilen in der Politik auf den Grund gehen.
