29.07.2010

Die Fahrt nach Masuren

Scharnebeck. Vom 31. Mai bis zum 11. Juni 2010 führte Fryderyk Tegler und Kerstin Harms wieder einmal eine Reisegruppe mit knapp 50 Teilnehmern in die geliebte Heimat von Fryderyk Tegler – Masuren. Mit dem Bus ging es ab Scharnebeck los. Ziel des Tages Gniezno (Gnesen). Unterwegs, an der Raststätte Stolpe, stieg ein pensionierter Förster, ein ostpreußisches Original aus Schwerin, zu, der mit seinem masurischen Humor für Unterhaltung sorgte.

In Gniezno angekommen erwartete die Gesellschaft ein festliches Essen. Begrüßt wurden die Gäste u. a. von Monsignore Dr. Andrzej Bialczyk, Kanzler des Erzbischofs von Gniezno und Primas von Polen.

Der zweite Tag war für eine kleine Stadt- und Kathedralenbesichtigung vorgesehen. Ein kurzer, aber herzlicher Empfang von seiner Exzellenz, dem Erzbischof und Metropoliten von Gniezno Prof. Dr. Jozej Nuszynski, dem amtierenden Primas von Polen, schloss sich an. Im gewaltigen Gotteshaus erklang ein Trompetenspiel von Kerstin Harms mit dem Solochoral ‚Großer Gott wir loben dich’, über das sich der Primus sehr freute und sich herzlich bedankte.

Die nächste Station war die älteste Stadt des Preußenlandes Torun (Thorn), die Geburtsstadt von Nikolaus Kopernikus. Die Tochter des evangelischen Gemeindepfarrers Pastor Jerzy Molin führte die Gruppe durch die Stadt, die zurzeit mit einem Hochwasser zu kämpfen hatte. Im Anschluss ging es per Bus weiter über Olsztyn (Allenstein) nach Mragowo (Sensburg), wo die Reisegruppe für acht Tage Quartier bezog. Erstmalig erklang auf der Fahrt dorthin von einer CD das melodische Lied ‚Fahr einmal nach Masuren, der Weg nach Masuren ist weit …, von Bernd Krutzinna, wobei auch hier und da einzelne Tränen kullerten. Dieses Lied wurde zur ‚Reisehymne’, die mehrmals täglich gesungen wurde.

Die Begrüßung im Hotel ‚Scar Panoramic’ fiel besonders herzlich durch den Stadtdirektorin Jadwiga Osiecka und ihrem Ehemann Julian, dem Landespräsidenten von Ermland und Masuren, sowie den Eigentümern des Hotels aus.

Am nächsten Tag wurde die Kreisstadt Mragowo besichtigt und eine Fahrt zum Geburtshaus von Ernst Wiechert in Pierslawek (Kleinort) mit einer dortigen Besichtigung und Dichterlesung schloss sich an. Dann wurde das Philliponenkloster der Heiligen Dreifaltigkeit und des Erlösers in Wojnowo (Eckersdorf) besucht. Mit einer Schifffahrt von Rusiane-Nida (Niedersee) nach Mikolajki (Nikolaiken) und einem Spaziergang durch das masurische Venedig endete die Tour.

Am nächsten Tag führte die Fahrt nach einem Frühstück nach Kosewo Görne (Rechenberg) zur polnischen Akademie der Wissenschaften (Wildpark), zur nachgebauten alten Kreuzritter-Schenke ‚U Komtura’ in Wozniece über Ukta nach Krutynia (Krutinnen) und zu einem Spaziergang durch den Masurischen Nationalpark. Mit einer Stakerfahrt mit Christina Koziot auf dem romantischen Krutinna Fluss und einem Kurzbesuch der neuen Westernstadt in Mrogowo endete der Tag.

Nach Ketrzyn (Rastenburg) und Giertoz, zur so genannten ‚Wolfsschanze’, führte der nächste Tag die Reisegruppe. Gleichwohl gehörten auch an diesem Tag der Heldenfriedhof aus dem 1. Weltkrieg bei Wegorzewo (Angerburg) und der Besuch des Masurischen Bauernmuseums Sondry (Sondern) zum Programm.

Mit einer Fahrt in das benachbarte Russland nach Kaliningrad (Königsberg) und Svetlogorsk (Rauschen) war der kommende Tag ausgefüllt

In der evangelischen Kirche von Sorkwity (Sorquitten) wurde am Sonntag, dem 6. Juni ein Festgottesdienst mit Beichte und Abendmahl gehalten. Thema: „Hört nicht auf falsche Propheten“. Gespräche und Begegnungen schlossen sich an. Am Nachmittag gab Pastor Borkowski eine Stadtbesichtigung mit der Gruppe in Gizycko (Lötzen) und eine ökumenische Andacht am Kreuz des Hl. Bruno von Querfurt.  Mit einer Besichtigung der neu restaurierten historischen Kreuzritterburg in Ryn (Rhein) und einem Abendessen im Hotel schloss sich der Kreis der Aktivitäten an diesem Tag.

Am nächsten Tag ging die Fahrt mit Führung und Orgelkonzert nach Swieta Lipka (Heiligelinde). Anschließend wurde die alte Bischofsstadt Reszel (Rössel) besucht. Hier kam es zu einer Begegnung mit dem katholischen Prälaten D. Dyrostek in der gewaltigen Peter und Paul-Kirche. Auch ein Kurzbesuch der evangelischen Kirche, in der Pastor Tegler getauft, konfirmiert und getraut wurde, fügte sich an. Heute ist die Kirche ohne Gemeindeglieder.

Am 8. Juni hieß es dann, Abschied zu nehmen vom Hotel in Olsztyn. Aber zuvor führte die Fahrt noch nach Olsztynek (Hohenstein) zum Freilichtmuseum und dem dortigen Direktor. Im Anschluss boten sich Einkaufsmöglichkeiten und Freizeit in der Altstadt von Olsztyn an. Die letzte Abendandacht in Masuren wurde mit dem Pastor Jan Neumann in Sterlawki Wielkie (Groß Stürlack) gehalten.. Mit einer Abschiedsfeier mit Gästen der deutschen Minderheit, dem Landrat und den Freunden Jadwiga und Julian Osiecki endete der Tag.

Mit Henryk Hoch, dem Präsidenten der deutschen Minderheit in Ostpreußen, wurde in Ostroda (Osterode) eine Stadtbesichtigung durchgeführt. Weiter ging es nach Buczyniec (Buchwalde) zu einer Schifffahrt auf dem Oberländer Kanal und anschließend nach Gdansk (Danzig), wo man erneut in einem Hotel Quartier bezog. Eine Stadtbesichtigung in Gdanskm Sopot und Gdynia schlossen sich am nächsten Tag an. Nach einem Orgelkonzert in der Kathedrale von Oliwa, einem Spaziergang an der Ostsee und einem Stadtbummel fuhr die Reisegruppe an der Ostseeküste über Lebork (Lauenburger), Stupsk (Stolp), Koszalim (Köslin) nach Kolobrzeg (Kolberg), wo sie im Hotel übernachtete. Weiter ging es am nächsten Morgen nach Szczecin (Stettin). Eine Schloss- und Stadtbesichtigung lud die Reisenden ein. Nach einem Mittagessen ging die Fahrt Richtung Heimat, wo die Gruppe pünktlich um 20 Uhr wieder in Scharnebeck eintraf.

Für die Teilnehmer ging eine aufregende, erlebnisreiche, aber auch anstrengende Reisen zu Ende. Viele Teilnehmer hatten die Fahrt aber auch genutzt, um Ausflüge in die eigene Vergangenheit zu unternehmen. Bei dieser Gelegenheit konnten neue Freundschaften geschlossen bzw. vertieft werden. Außerdem wurde die Fahrt auch dazu genutzt, um eine karitative Hilfe zu sozial schwachen Familien, insbesondere in der deutschen Minderheit und den Kirchengemeinden zu leisten. Eine neue und bewundernswerte Art der Freundschaft sind Patenschaften. So wurde auch Kerstin Harms Taufpatin von der kleinen Judyta Emilia K. in Nikolajki. Für Kerstin Harms und Fryderyk Tegler sind diese Fahrten ein ganz besonderes Erlebnis – bringen sie doch Manschen und Völker näher und tragen somit zur Versöhnungsarbeit bei. So ist auch die Idee entstanden, einen Verein zur Förderung der Partnerschaft zwischen Deutschland, Polen und Russland zu gründen. Die ersten Mitglieder haben sich bereits gefunden. Nähere Informationen über den Verein ‚Freunde Masurens e.V.’ gibt gern Pastor Fryderyk Tegler, Tel./Fax: 04136/910573.

Die Reisegruppe trifft sich am 1. August um 10 Uhr zu einem Festgottesdienst in der St. Marienkirche zu Scharnebeck wieder.. Jeder ist hierzu herzlich eingeladen. Anschließend wird im Gasthaus Rose ein Mittagsessen angeboten. Bei Kaffee und Kuchen, ab ca.15 Uhr, werden Dias von der Fahrt gezeigt und man kann alles nochmals Revue passieren lassen oder sich auf die Fahrt 2011 vorbereiten.

 

 

Auch einmal etwas politisches …

„Jetzt haben wir keine Staatspräsidenten - ihr nicht und wir nicht. Aber vielleicht ist das auch gut so, weil wir jetzt  hoffen dürfen auf Staatsoberhäupter, die es besser miteinander können und endlich wieder friedliche und gutnachbarschaftliche Beziehungen pflegen werden ..." Mit diesen Worten begrüßte Dominik Tarnowski, der Landrat von Mragowo, die Masurenfahrer unter der Leitung von Kerstin Harms und Pastor Fryderyk Tegler im Juni in seiner Heimatstadt.

Inzwischen haben die Bundesrepublik und Polen neue Präsidenten, die die Wünsche und Hoffnungen der Menschen auf beiden Seiten wahr machen werden. Bronislaw Komorowski hat in Masuren 78% seiner Stimmen bekommen, er ist deutsch- und europafreundlich. Und unser neuer Bundespräsident Christian Wulff reist die Woche nach Warschau, wo er bestimmt herzlich und gastfreundlich empfangen wird. Übrigens ist unser Präsident auch ein guter und verständnisvoller Freund der Polen, was er in der Vergangenheit oft unter Beweis gestellt hat. –EP-Redaktion/wh-

 

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