Der „Käfig voller Narren“ am Lüneburger Theater
Lüneburg. Albin und Georges - seit mehr als zwanzig Jahren lieben sie sich und leben als Mann und Mann zusammen. Nach Meinung von Georges ist das eine ganz normale Lebensgemeinschaft: „Ich bin ein ganz normaler Homosexueller und er ein Transvestit.“ Denn auch im Leben dieses Paares bleiben wie bei allen anderen Paaren dieser Welt Brüche, Streit und gegenseitige Verletzungen nicht aus. Ursache dafür ist allzu oft der liebe Nachwuchs. Auch bei Albin und Georges, denn Georges hat aus einer früheren Beziehung mit einer Frau einen Sohn, den 24-jährigen Jean-Michel, der bei ihnen groß geworden ist. Als Jean-Michel seinen „Eltern“ mitteilt, dass er heiraten will, ist Albin geschockt: „Georges, was haben wir nur falsch gemacht?“ Doch damit nicht genug: Der künftige Schwiegervater von Jean-Michel ist ausgerechnet Edouard Dindon, erzkonservativer Abgeordneter der „Partei für Tradition, Familie und Moral“, dem Homos und Transvestiten ein Dorn im Auge sind und der solche lasterhaften Lokale wie das „Cage“ lieber heute als morgen schließen würde. Und Dindon möchte, bevor er in die Heirat seiner Tochter Anne einwilligt, die Eltern von Jean-Michel kennenlernen. Um diese schrille Familie, die mitten im Vergnügungsviertel von Saint Tropez lebt und arbeitet, geht es in dem Erfolgsmusical „Der Käfig voller Narren“, das unter dem Titel „La Cage aux Folles“ 1973 in Paris als Lustspiel uraufgeführt wurde. Aus dem Bühnenstück wurde ein erfolgreicher Kinofilm, bevor es 1983 als Broadway-Musical von dem Gespann Jerry Herman und Harvey Fierstein seinen Siegeszug um die Welt begann. Vor einigen Jahren war der „Käfig“ schon einmal an der Lüneburger Bühne zu sehen. Nun hat der bekannte Regisseur und Choreograph Klaus Seiffert das Stück in Szene gesetzt und sein Konzept kam beim Lüneburger Publikum in der fast ausverkauften Premiere sehr gut an. Fast eine Viertelstunde lang applaudierten und jubelten die Zuschauer stehend dem tollen Team von Darstellern und Musikern zu. Allen voran Felix Martin, der mit großartiger Körpersprache und Mimik Albin beziehungsweise Zaza, den Star der Travestie Show in Georges Kabarett „La Cage“, mimt, sowie Ulrich Kratz, der den liebevollen, treu sorgenden Georges an seiner Seite verkörpert. Das Stück ist von Anfang bis Ende ein Riesenspaß und eine Freude für Augen und Ohren. Seiffert hat das komische, aber auch das ernste, das die Geschichte durchaus auch hat, mit viel Gespür herausgearbeitet. Vor allem hat er mit Albin/Zaza und Georges sympathische, griffige Figuren geschaffen, mit denen sich der Zuschauer verbündet, auch wenn sie geschminkt und in Lack und Pumps daherkommen. Und das eindrücklich von Albin/Zaza gesungene Lied „Ich bin, was ich bin, und was ich bin, ist ungewöhnlich, komm schau mich nur an, akzeptier dann mich ganz persönlich“, spricht die Herzen der Zuschauer unmittelbar an und klingt als Ohrwurm noch lange nach, wie auch die anderen Songs aus diesem Musical. Großartig ist auch die Choreographie der Tänze, die von dem Ballettensemble gezeigt werden, vor allem der fetzige Cancan. Und das alles in wunderbaren, manchmal absolut schrillen Kostümen. Für viel Gelächter sorgt auch Mario Mariano als überdrehter Butler Jacob oder auch Zofe Claudine, die mit po-freier Arbeitskleidung überrascht. Und Felix Martin kostet seine Rolle als Transvestit Albin bis in die Finger- und Haarspitzen hinein aus. Munter plaudert er oder besser Zaza mit dem Publikum und fragt, woher die Besucher kommen: „Kommt jemand aus New York oder Paris. Nein? Sie kommen aus Amelinghausen? Da gibt es doch die Heidekönigin - würden Sie mich zur Heidekönigin 2012 wählen?“ Schließlich stellt sie noch das international besetzte Orchester vor, besonders Nezih Seckin, den Mann am Pult. „Der kommt aus Istanbul und ist so süß wie türkischer Honig“, schmachtet sie. Die nächsten Vorstellungen von dem „Käfig voller Narren“ sind heute, am 24.11. sowie am 2., 9.und 26.12. zu erleben. –EZ-Redaktion/wh-

