17.12.2009

Das ist ja schließlich kein Hundesport...

Dahlem. „Such!“ - Versteck spielen, über Hindernisse springen, auf Leitern balancieren, durch Wald und über Wiesen toben - das klingt nach Spaß und Spiel für Hund und Halter. Ein bisschen Agility mit Anspruch betreiben und dafür von der Hundesteuer befreit werden - da schnuppern viele Herr- und Frauchen gern mal hinein, in die Rettungshundestaffel Marienau. Wenige bleiben ernsthaft dabei, etwa 10 Prozent, denn einen Rettungshund auszubilden, zuverlässig zu führen und ständig mit ihm in Übung zu bleiben macht zwar Spaß, bedeutet aber auch ein- bis zweimal pro Woche Training, zwei bis vier Stunden lang, bei jedem Wetter, auch nachts, gibt Dr. Helmut Schwarze zu bedenken. Er ist der 1. Vorsitzende und einer der zertifizierten Zugführer der BRH Rettungshundestaffel SAR Marienau e.V.. Dazu kommen Alarmierungen und Einsätze (natürlich immer dann, wenn es am wenigsten passt), die auch belastend sein können. Schwarze erinnert sich an eine Nacht in Altona vor wenigen Monaten, in der ein junges Mädchen vermisst wurde, mehrere Hundestaffeln suchten nachts eine Industriebrache ab. Die eigentliche Schwierigkeit ist es, ein Gebiet ‚menschenfrei’ zu melden, erklärt er, sicher zu sein, dass dort wirklich niemand mehr zu finden ist.

 

Helfen als Hobby

Die Marienauer ist eine von zwei Rettungshundestaffeln im Landkreis Lüneburg, gehört seit 2006 zu den Katastrophenschutzeinheiten und wurde bereits zu Einsätzen von Hamburg bis Hannover angefordert. Dann sind etwa 15 bis 20 Mitglieder dabei, die Hälfte sucht mit ihren Hunden, die anderen organisieren, kommunizieren, bedienen Technik und Computer. „Wir bekommen keinen Cent für unseren Einsatz, kein Spritgeld, keine Aufwandsentschädigung, kein gar nichts,“ so Carolina Burmeister, Hundeführerin, Sanitäterin und Krankenschwester, auch das gesamte Equipment, Anhänger, Computer, Funkgeräte, GPS, Tragen, Decken, Zelt... hat der Verein angeschafft. „Mit den Hunden, die man liebt, etwas wirklich Sinnvolles zu tun“, erklärt Carolina Burmeister ihre Motivation. Viele Hundeführer sind ‚vorbelastet’, kommen aus helfenden, medizinischen Berufen, jeder Marienauer Hundeführer ist mindestens Sanitäter.

Und sie haben selbst Freunde und hilfreiche Nachbarn, die bei Alarm (7 Mal im Jahr 2009) beispielsweise auf die Kinder aufpassen. Im Frühling spürten die Marienauer Rettungshunde eine vermisste Person nahe Kovahl auf (EP berichtete) kurz bevor man sich auf einen Großeinsatz vorbereitete. Immer aber ist auch die Leistung und die Freude der Hunde an der Arbeit eine Entschädigung, für alle Mühe, das spürt man, wenn man Hundeführer belauscht, wenn sie über Fortschritte und erstaunliche Erfolge ihrer Tiere unterhalten.

 

Bellen lernen

Als Rettungshunde sind nur fast aggressionslose Hunde geeignet, erklärt Schwarze. Sie müssen erst lernen, einen Menschen anzubellen, das gilt unter Hunden nämlich als extrem unhöflich und hat nichts mit dem Kläffen zu tun, das Spaziergänger an Grundstücksgrenzen (Revierverteidigung) hören. Je nach Ausbildung kommt der Vierbeiner zum Hundeführer und signalisiert, dass er etwas gefunden hat, oder er bleibt bellend bei der gefundenen Person. Rettungshunde-Aspiranten sollten nicht zu klein sein, sonst überanstrengen sie sich im Gelände, zu große Hunde aber werden zu langsam. Herz, Kreislauf und Gelenke müssen gesund, die Nasen dürfen nicht kurz gezüchtet sein, betont Carolina Burmeister, und die Hunde sollten selbstbewusst sein. Wie immer, wenn man mit Tieren arbeitet, wird eigentlich ein Team ausgebildet. Die Karriere eines Rettungshundes beginnt mit der normalen Begleithundeprüfung (Fuß, Sitz, Platz, etc.). Es folgt eine Vorprüfung an ‚Geräten’ wie Wippen, Leitern, Tunnel, an der auch fremde Menschen und Hunde teilnehmen, bevor sich die komplexe Spezialausbildung in der Flächen-, Trümmer- und Personensuche anschließt. Die Tauglichkeit der Hunde wird jedes Jahr vom Bundesverband neu überprüft.

Am 19. Dezember feiert die Marienauer Rettungshundestaffel BRH 44 SAR ihr fünfjähriges Bestehen. Eine weitere Stabilisierung der Vereinsstruktur wünscht man sich für die Zukunft, auch finanziell natürlich, um Ausrüstung zu ergänzen und vielleicht den die Such-Ausbildung nach Fläche und Trümmer auch auf den Bereich ‚Wasserortung’ auszudehnen. -EP-Redaktion/sn-

Nachrichten aus dem Landkreis Lüneburg und der Elbtalaue