18.03.2010

Damit die Bäume in den Himmel wachsen

Vom Vogelhaus über den Wald in der Kiste bis hin zum 3D-Poster: Franz Hüsing (l.) und Kristin Draeger fühlen sich eher als Prozessbeobachter, fachlich betreut Hans-Jürgen Kelm (Forstamt Göhrde) die Ideen, die die WaldbotschafterInnen der R6a für die Zukunft entwickeln

Vom Vogelhaus über den Wald in der Kiste bis hin zum 3D-Poster: Franz Hüsing (l.) und Kristin Draeger fühlen sich eher als Prozessbeobachter, fachlich betreut Hans-Jürgen Kelm (Forstamt Göhrde) die Ideen, die die WaldbotschafterInnen der R6a für die Zukunft entwickeln

Dahlenburg. Franz Hüsing, Forstmann aus Braunschweig, spinnt gern Netze. Erst sind sie virtuell, ein Teil nimmt dann reale Züge an und könnte sich zu Korridoren auswachsen, auf denen schließlich die Wildkatze aus dem Harz wieder in die Göhrde einwandert - im Wald des Jahres 2100, hoffentlich schon früher. Am Dienstagmittag kam der Direktor der Stiftung ‚Zukunft Wald’ nach Dahlenburg in das Schulzentrum, um sich über die Fortschritte der zukünftigen Dahlenburger ‚Waldbotschafter’ der R6a zu informieren, die wie 24 weitere Klassen am Anfang des Prozesses an den ersten Maschen des noch virtuellen Netzwerkes stricken.

Im Spätsommer letzten Jahres hatte sich Klassenlehrerin Kristin Draeger bei der noch jungen ‚Stiftung Zukunft Wald’ für ihre 6. Klasse um ein Projekt beworben. Weil mehr als doppelt so viele Bewerbungen (57) vorlagen, als es niedersächsische Forstämter (25) gibt, entschied das Los und die Dahlenburger hatten Glück. „Wald? - Das wollten alle sofort“, freute sich die Lehrerin über das Echo bei ihren Schülern. Ausgestattet mit 300 Euro Startgeld und einem ‚heißen Draht’ zu Hans-Jürgen Kelm, dem Fachmann für Waldökologie und Waldnaturschutz im zuständigen Forstamt Göhrde, wollen sie der gestellten Frage ‚Wie sieht der Wald im Jahr 2100 aus?’ auf den Grund gehen. Dabei wird den Schülern größtmöglicher Spielraum gelassen. „Ich bin hier lediglich die Kontaktperson zum Forstamt“, hält sich Kristin Draeger, eigentlich Deutsch- und Kunstlehrerin, lächelnd heraus. Die Schüler lernen, eigene Fragestellungen zu entwickeln und nach Antworten zu suchen. Was ist eigentlich ein Wald, was brauchen Bäume, um zu wachsen, wie alt und wie hoch werden sie, wer braucht Wald?

„Zunächst hat sich jeder seine eigenen Gedanken gemacht, dann haben sich Gruppen gebildet“, beschreibt Kristin Draeger den Prozess und ergänzt nicht ohne ein bisschen Stolz, „unabhängig davon wuchs der Wunsch, als Klasse auch noch ein gemeinsames Projekt zu verwirklichen.“ Anfang April wollen sie gemeinsam Bäume in der Göhrde pflanzen. „Das ist wie eine Zeitreise in die Zukunft“, lobt Hüsing die Idee der Schüler, „sie müssen sich ja vorstellen, was die Bäume brauchen, um auch in 90 Jahren noch wachsen zu können.“ Fachlich begleitet Kelm die Schüler, erkundete an Projekttagen mit ihnen den Wald, zeigte ihnen, wie man mit abgeschnittenen Ästen junge Bäume schützt und setzte sie auch theoretisch manchmal wieder auf die richtige Fährte. Mitte Mai müssen die Projektarbeiten abgeschlossen und dokumentiert sein. Als digitale Poster sollen die Botschaften und Visionen vom Wald der Zukunft im Internet stehen und Anstöße liefern. Im Juni treffen sich je drei ‚Delegierte’ der teilnehmenden Klassen zur ‚Waldbotschafterkonferenz’ im Jagdschloss Springe, wo die drei überzeugendsten Präsentationen mit einem ansehnlichen Geldpreis belohnt werden. Alle SchülerInnen die mitgemacht haben, erhalten ein T-Shirt und das Wildkatzen-Maskottchen der Stiftung. „Die Wildkatze ist eine Botschafterin der Vernetzung“, erklärt Hüsing, „wo sie hinkommt, da werden Lebensräume erschlossen. Und die Kinder sind ein Traum“, ist er begeistert auch vom Enthusiasmus in Dahlenburg und setzt auf die Eigendynamik des Prozesses, „das werden ganz tolle Waldbotschafter, die die Idee weitertragen werden!“ -EP-Redaktion/sn-

Nachrichten aus dem Landkreis Lüneburg und der Elbtalaue