18.02.2010

Bombastische Blondinen

Ob Mann oder Frau, wer weiß es genau? Auf dem Hexenball in Lemgrabe dürfen auch die Gäste ihre gewohnten ‚Schubladen’ verlassen

Ob Mann oder Frau, wer weiß es genau? Auf dem Hexenball in Lemgrabe dürfen auch die Gäste ihre gewohnten ‚Schubladen’ verlassen

Dahlenburg/Lemgrabe. Manchmal stellen sie sich, diese vertrackten Fragen: Sind Hunde die besseren Menschen, sind Männer die besseren Frauen? Bei den üppigen ‚Ballons’ der bombastisch tanzenden Blondinen im Hexenhaus ‚Böwe’ konnten Zweifel kommen. Waren die ehrenwerten Herren des Lemgraber Männerballetts zunächst sehr vornehm ihrem gruftigen Gefilde entstiegen um die bunte Gästeschar fast seriös mit einem Tänzchen zu beehren, platzten sie bei der Zugabe förmlich aus allen Nähten. Die Putzfee schwang den Pömpel - war es noch Neid oder schon Mitleid, was aus den Blicken geborener Frauen sprach? Nichts von beidem: Erleichterung und Schadenfreude darüber, sich nicht mit so auffälligen Blickfängen abschleppen zu müssen, dominierten neben dem puren Vergnügen an der HERRlichen Show.

Zuvor hatte Christiane BergMANN allerdings demonstriert, dass das schillernde Hexengeschlecht viele Facetten in sich vereint: Als Roy Black überzeugte sie auf romantischer Brautschau - „leider kein Pfarrer anwesend“ - und als Trude HERR verweigerte sie überzeugend die Schokolade und wollte „lieber einen Mann“. „Sie war schon immer ein bisschen verrückt“, verriet jemand, der es wissen muss, „hat schon vom Blatt gesungen, bevor sie lesen konnte!“

Ganz ernst, echt und erdig hatte die Marienauer Band ‚Blight’ nicht nur die bezaubernd dekorierten Spinnweben an Decken und Wänden zum Vibrieren gebracht. Mattis, Paul und Patrick (Bass, Gitarre, Schlagzeug) rockten das Hexenhaus live und verwandelten es vier Titel lang in einen Musik-Club.

Auch die Hexen hatten schöne Ballons zu bieten, die sie jedoch wie bunte Blasen durch Raum und Nebel schweben ließen. Mit einem eher ruhigen, effektvoll-mystischen Tanz leiteten sie das Show-Programm ihres Jubiläumsballs ein. Zum 11. Mal veranstalteten sie die Party, die inzwischen schon Kultstatus erreicht hat, passende 33 Hexen sind derzeit im Verein. Ein choreografisches Feuerwerk aus Pampa, Busch oder dem schönsten Pariser ‚Sumpf’ zündeten die Zauberweiber, bevor sie ihren Gästen das Parkett überließen. Magische Anziehungskraft - rund 150 Gäste, darunter auch gestandene Bürgermeister, fanden den Weg trotz widrigster Witterung nach Lemgrabe zu den Hexen und tanzten nach der Musik von DJ Wolfgang Szerzant. Und zumindest alle Hexen sind heil wieder nach Hause gekommen, trotz Eis und Schnee - vielleicht sind Hexen gar die besseren Engel? - und wollen Dahlenburg Ende April eine Walpurgisnacht auf dem Marktplatz bescheren. -EP-Redaktion/sn-

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