Alter Eichenbalken schwelte in der Wand

Eine Wand musste raus: 150.000 Euro Sachschaden klingt hoch, doch es hätte erheblich schlimmer kommen können
Pommoissel. Für solche Einsätze gibt keinen günstigen Zeitpunkt, aber es gibt besonders ungünstige: Sonntagnacht bei klirrender Kälte. Gegen 22.40 hatten die Bewohner eines alten Fachwerkhauses in der Pommoisseler Straße die Feuerwehr alarmiert Einige Innenwände im Obergeschoss wurden langsam immer wärmer.
Als die Brandschützer aus Pommoissel und Nahrendorf-Oldendorf bereits stark verqualmte Räume vorfanden, alarmierten sie die Feuerwehren Kovahl, Tosterglope und Boitze nach.
„Schornsteinbrand - das wird es wohl immer öfter geben“, prophezeit einer der Feuerwehrmänner des 2. Zuges der SG Dahlenburg. Auch der Schornsteinfeger war bereits vor Ort, insgesamt waren in dieser Nacht rund 70 Kräfte im Einsatz. Es wird immer mehr mit Holz geheizt, da bleibt es nicht aus, dass auch zu feuchte Scheite verfeuert werden (ein Jahr Lagerung reicht nicht), es bildet sich ein teerartiger Belag im Schornstein. Oder die Pellets rußen. Der Belag kann sehr heiß werden und der Ruß kann sich entzünden. Die dann im Schornstein entstehende Hitze kann Schwelbrände in den Wänden auslösen. Von außen fällt es kaum auf, zunächst raucht der Schornstein vielleicht etwas stark und bekommt einen immer breiteren Rußrand.
Sicherheitshalber legte die Feuerwehr einen Schlauch ins Gebäude. Sie klopfte die Wände ab und wurden fündig. Hinter einem Ofen hatte sich ein Schwelbrand in einer Innenwand im Bereich des Schornsteins gebildet. Die komplette Wand musste entfernt werden um an den Brandherd zu gelangen, eine schwere, alte Eichenbohle.11 Trupps unter Atemschutz waren nötig um die Wand zu entfernen. Per Kübelspritze wurde der Balken ‚punktuell’ gelöscht, so dass nicht das gesamte Haus mit seiner Einrichtung unter Wasser gesetzt werden musste.
„Auch deswegen brauchen wir genügend Atemschutzgeräteträger, um bei einem solchen Schwelbrand innen schneller, gezielter und damit schonender zu löschen“, erklärt der Brandschützer an der Pumpe. Bei zweistelligen Minusgraden muss er darauf achten, dass das Wasser, das notfalls sofort eingesetzt wird, ständig in Bewegung bleibt, damit Schläuche und Pumpe nicht einfrieren. Gegen 1.00 Uhr wurde die Feuerwehr Dahlenburg angefordert um mit der Wärmebildkamera letzte möglicherweise versteckte Brandnester zu finden.
Den Sachschaden am von mehrere Mietparteien bewohnten Bauernhaus beziffert die Polizei derzeit mit gut 150.000 Euro, ihre bisherigen Ermittlungen ergaben, dass sich der in der Wand verlaufende Fachwerkbalken durch die dauerhafte Wärmeübertragung des Abgasrohres des Kamins entzündet hatte. Zu Personenschäden kam es nicht. Die Bewohner wurden kurzfristig von Freunden und Nachbarn aufgenommen.
Bereits am Sonntagnachmittag kam es in Ramelsloh zu einem Schornsteinbrand, Ursache dort war laut Polizei eine starke Rußschicht im Kamin. -EP-Redaktion/ff/sn-
