03.12.2009

20 Jahre Fährverkehr Neu Bleckede - Bleckede

Schüler treffen Zeitzeugen

Schüler treffen Zeitzeugen

Bleckede. Im voll besetzten Haus der Künste begrüßte der Vorsitzende der Stiftung Gunther Gustafsen die Gäste zu einem Abend der Erinnerung. Es kommt nicht oft vor, dass man einer sehr schwierigen Zeit - der 40-jährigen Teilung Deutschlands - positive Nuancen abgewinnen kann, Henry Makowski gelang es. In einem kurzen Film stellte er dar, wie sich in der für Menschen bedrückenden örtlichen Situation Flora und Fauna ausgezeichnet entwickeln konnten. Kraniche, Graureiher und Kormorane fanden im unbewohnten Grenzland, dem gegen die Menschen gerichteten Todesstreifen, ungestörte Brut- und Lebensbedingungen. Die teilweise gefährdeten Populationen erholten sich deutlich. Da die Jagd im Grenzstreifen ruhte, konnten auch Dachs, Fuchs und andere Tiere ein ungefährdetes Leben führen.

‚Aktion Ungeziefer’, man mag diese zynische Bezeichnung kaum niederschreiben, bedeutete die Umsiedlung aus dem grenznahen Gebiet. Familien mussten Haus und Hof in kürzester Zeit verlassen ohne zu wissen, wohin man sie bringen würde. Dort, wo die so Vertriebenen und Verschleppten angesiedelt wurden, waren sie der üblen Nachrede ihrer lieben Nachbarn ausgesetzt, die sofort Negatives über die ‚Neuen’ munkelten. Schon weil der zugewiesene Wohnraum in der Regel erbärmlich war, musste man ja davon ausgehen, dass diese Familien etwas auf dem Kerbholz hätten. Eindringlich hat Karin Toben in ihrem Buch diese Vorgänge am Beispiel einzelner Familien dargestellt. Obwohl das Geschehene noch weit vor dem Mauerbau Anfang der 50er Jahre liegt, machte es die Gäste auch heute noch fassungslos.

Die Dokumentation ‚Zwischen den Ufern’ ließ die Anwesenden wieder ein wenig aufatmen, denn es folgten freudige Ereignisse: die erste Fährverbindung in Wort und Bild. Zusammengestellt aus vielen privaten Aufzeichnungen, Gesprächen und Filmen entstand ein zeitgeschichtliches Dokument, das auf der Basis der schlimmen Ereignisse das gute Ende und die unglaubliche Freude des Wiedersehens nachzeichnet.

Den Abschluss des Abends bildete ein Film, in dem eine erstaunliche Zeitzeugenbefragung festgehalten ist: Das Schülerprojekt ‚Die Elbe als Grenzfluss’ des Schulzentrums fand große Beachtung. Zur kurzfristigen Information hatten die Schüler die Texte ihrer Interviews abgedruckt und auf großen Stelltafeln zum Nachlesen aufbereitet. Diese Jugendlichen waren zum Zeitpunkt der Grenzöffnung noch nicht geboren, haben sich aber mit der Zeit seit dem Krieg bis zur Grenzöffnung ausführlich beschäftigt und den Betroffenen die richtigen Fragen gestellt. Außerdem haben sie ihr Projekt selbst vorgestellt und begründet. Das ist auch ein Weg, Geschichte nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Der Vorsitzende der Bürgerstiftung Gunther Gustafsen bedankte sich bei Schülern, Schülerinnen und den Lehrkräften für diese umfangreiche und aussagekräftige Arbeit. -EP-Redaktion/ez

Nachrichten aus dem Landkreis Lüneburg und der Elbtalaue