15.07.2010

1.000 schnelle Schutzengel

Köstorf. Hartmut Wachowski genießt sein 'zweites Leben', eigentlich merkt man ihm gar nichts von den dramatischen Ereignissen der letzten Wochen an. Dabei ist es noch nicht einmal ein Vierteljahr her, dass er bereits mit mehr als nur einem Bein auf der 'anderen Seite' stand. "Das kann aber am besten meine Frau erzählen", lächelt er verschmitzt. Er selbst hat nämlich kaum Erinnerung an diese frühen Morgenstunden Anfang Mai - nur, dass Brustschmerzen ihm den Schlaf raubten.

"Um 6.45 Uhr weckte er mich", erinnert sich Barbara Wachowski dafür umso lebhafter. Sie schaffte es gerade noch, ihren Mann irgendwie ins Erdgeschoss des Hauses zu bringen, und wählte 112. "Dann ging es ganz schnell und alles passierte fast gleichzeitig." Innerhalb von nicht einmal fünf Minuten sei der Rettungswagen aus Ellringen dagewesen, gleich darauf der Notarzt aus Harmstorf, staunt Barbara Wachowski noch immer. Und trotz der Geschwindigkeit kamen sie keine Sekunde zu früh, denn kaum standen die Retter im Wohnzimmer, da brach ihr Mann zusammen: Kammerflimmern - Herzstillstand.

Das war Teamwork auf den Punkt, wird man im Herz- und Gefäßzentrum (HGZ) Bad Bevensen später anerkennend sagen. Nur weil Wachowski sofort zurückgeholt und innerhalb eines engen Zeitfensters optimal stabilisiert wurde (Narkose, Beatmung), konnte die Engstelle im Blutgefäß per Katheter im HGZ wieder aufgeweitet werden, ohne dass zwischenzeitlich nennenswert Herzgewebe untergegangen wäre. "Anderenfalls hätten sie mir auch noch den Brustkorb aufsägen müssen", freut sich Wachowski über die schnelle und professionelle Erstversorgung, die ihm (und den Krankenkassen, beziehungsweise Versicherten ...) Bypass-Operation und langwierige Reha ersparte.

Eine solche Erstversorgung ist im östlichen Landkreis Lüneburg jedoch eher Glückssache als Normalität. Ein 'regulärer' Notarzt ist in Ellringen nur zwischen 16 und 22 Uhr stationiert (EP berichtete). Von 22 Uhr bis 16 Uhr ist man auf notärztliche Hilfe aus der Luft angewiesen (der Hubschrauber fliegt nur, wenn es hell ist), aus dem entfernten Lüneburg oder eben aus Harmstorf, wenn der dort ansässige Rettungsmediziner in seiner Freizeit einsatzbereit ist. Und der wird dann ziemlich häufig gebraucht.

Hartmut und Barbara Wachowski jedenfalls wissen, ihr großes Glück zu schätzen: "Wir hatten 1.000 Schutzengel", sind sie sich einig, sehen nun vieles entspannter und haben einige neue Prioritäten gesetzt. Manchmal ist es schon ein großes Geschenk, einfach noch da zu sein. -EP-Redaktion/sn-

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